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STAATSSEKRETÄRE Besonders bewährt

Von seinen Untergebenen fordert Verteidigungs-Staatssekretär Würzbach absolute Korrektheit. Bei sich selbst nimmt er es nicht so genau. *
aus DER SPIEGEL 18/1986

An der rechten Gesinnung hat es Peter Kurt Würzbach nie gefehlt. Die Friedensbewegung zum Beispiel war für Manfred Wörners Parlamentarischen Staatssekretär schlicht »die Straße«.

»Lautstärke und Anzahl von Menschen«, teilte der CDU-Mann auf dem Höhepunkt der Nachrüstungsdebatte kategorisch mit, »ist kein Entscheidungskriterium.«

Und als sein Chef über die Kießling-Affäre zu stolpern drohte, wußte der ehrenamtliche Bürgermeister von Klein Rönnau (Schleswig-Holstein) seinen Zuhörern zu berichten, dem General sei kein Unrecht getan worden. Im Gegenteil, die Schuldigen säßen in den Redaktionen.

»Eine fast abenteuerliche Geschichte«, so Würzbach, »mit welcher Verzerrung ... Journalisten aus dieser Angelegenheit inzwischen einen Skandal gemacht haben.«

Später, nach Kießlings Rehabilitierung, konnte er sich an eine Vor-Verurteilung nicht mehr erinnern, obwohl er, wie aktenkundig, nicht nur in der Kießling-Affäre engen Kontakt zum Militärischen Abschirmdienst (MAD) hatte. Der ehemalige Systembeauftragte für das Kampfflugzeug »Tornado«, Hans Ambos, erinnert sich noch gut daran, wie Würzbach, obwohl nicht zuständig, ihm wegen dummer Gerüchte den MAD auf den Hals hetzte. Auch Ambos ist inzwischen rehabilitiert und aus dem Verteidigungsministerium ausgeschieden.

So sehr der forsche Berufsoffizier Würzbach gegenüber Friedensfreunden und Untergebenen eiserne Härte zeigt, in eigenen Angelegenheiten nimmt er es nicht so genau. Ob beim Hausbau, bei der Beschaffung eines Urlaubsautos oder der Betreuung einer schwarzen Schönen, der Oberstleutnant a. D. findet immer einen Weg zum Erfolg.

Geradezu meisterhaft beherrscht PKW, wie er auf der Hardthöhe genannt wird, die von den Militärs hochentwickelte Kunst, einen nicht legalen Befehl in Frageform zu kleiden. Auf die Bitte »Könnten Sie vielleicht?« wagt kaum ein Untergebener mit »Nein« zu antworten.

So bauten 1966 Soldaten aus Würzbachs Kompanie fleißig an seinem Haus mit. Freiwillig natürlich, sie hatten die Frage ihres Chefs schon richtig verstanden.

Das Truppendienstgericht verfügte gegen den Offizier eine Gehaltskürzung, das Urteil verjährte nach fünf Jahren.

»Eine Jugendsünde«, befand Wörner, als er, kurz nach Würzbachs Berufung auf die Hardthöhe, davon erfuhr.

Ein Mitarbeiter seines Bonner Büros verstand den Staatssekretär ebenso schnell wie die Rekruten ihren Oberleutnant, als der ihn bat, einen Privatwagen von München nach Norden zu überführen.

Der Beamte flog mit dem Inspekteur des Heeres in die bayrische Landeshauptstadt, um den Golf, der für den Würzbach-Sohn gedacht war, sicher nach Schleswig-Holstein zu bringen. Die Rückkehr nach Bonn mit Zug und Flugzeug - immerhin - erstattete der zufriedene Vater mit einiger Verzögerung seinem Untergebenen aus eigener Tasche.

Auch der griechische General, der Würzbach 1984 und 1985 im Urlaub auf der Insel Kos seinen Wagen zur Verfügung stellte, konnte nicht nein sagen.

Natürlich hatte Würzbach beim griechischen Verteidigungsministerium keinen Wagen für sich bestellt. Er hatte einen befreundeten General lediglich gefragt, ob er ihm bei der Beschaffung eines »Kleinst-Mietwagens« behilflich sein könne.

Nun kann ein solcher Wagen in jedem Reisebüro, auf jedem Flughafen und in jedem Hotel geordert werden, aber der General verstand den Wink. Die Deutschen zahlen schließlich Militärhilfe in Millionenhöhe. Der Wagen für Würzbach stand pünktlich bei Urlaubsbeginn vor dem Caravia-Beach-Hotel.

»Die von mir gewünschte Bezahlung«, schrieb Würzbach jetzt in eine von Bundeskanzler Helmut Kohl geforderte dienstliche Erklärung, »wurde in 1984 und 1985 unter Hinweis auf griechische Gastfreundschaft abgelehnt.«

Auch in diesem Jahr hätte die Gefälligkeit sicher wieder geklappt, wenn die Griechen nicht, aus welchen Gründen immer, eine offizielle Angelegenheit aus Würzbachs »Bitte nach Abstellung eines Dienst-Pkws für Gesamtdauer des Aufenthalts«, so die Griechen, gemacht hätten (SPIEGEL 17/1986).

Würzbach, der über die hilfsbereiten Griechen bis dahin kein Wort verloren hatte, sah sich plötzlich ertappt und sprach von »einem sprachlichen Übermittlungsfehler«. Daran mag freilich in Bonn und Athen so recht keiner glauben. Doch weder der von Regierungssprecher Friedhelm Ost alarmierte Kanzler noch die Mitglieder des Verteidigungsausschusses fragten in der vergangenen Woche bei Würzbach nach, wie es denn nun wirklich gewesen ist.

Er habe, so Würzbach in seiner gewundenen Erklärung, »natürlich« bezahlen wollen, leider sei ihm das aber nie gelungen. Die griechische Gastfreundschaft müsse man halt respektieren.

Das Kapitel Kos war noch nicht abgeschlossen, da wurde auf der Hardthöhe bereits über andere Merkwürdigkeiten geredet. Würzbach genießt nicht nur Gastfreundschaft, er gewährt sie auch großzügig.

In Zaire lernte er im vergangenen Jahr eine junge, sehr attraktive Journalistin kennen, wie sich Mitreisende erinnern. Zufällig war sie in diesem Jahr in Brüssel, zufällig bat sie bei Würzbach um einen Besuch in Bonn.

Der Staatssekretär fragte beim Informations- und Pressestab (IP Stab) seines Hauses nach, ob aus dessen Fonds die Kosten für den Besuch in Bonn gezahlt werden könnten. Die Herren sagten zögernd zu, hörten dann aber nichts mehr von der Besucherin.

Würzbach höchstselbst brachte sie im feinen Bonner »Bristol«-Hotel unter und legte das Programm fest. Der IP Stab bekam die Dame nicht zu Gesicht, wohl aber die Rechnung: über 700 Mark. Die Betreuung der schwarzen Schönheit schloß auch ein »Arbeitsessen« ein; es dauerte, wie aus der Überstunden-Abrechnung der Leibwächter Würzbachs hervorgeht, bis weit nach Mitternacht.

Seine außergewöhnlich intensiven Bemühungen rechtfertigte der Staatssekretär später mit dem Hinweis, die 24jährige Journalistin sei schließlich für höhere Aufgaben im Verteidigungsministerium von Zaire vorgesehen. Nur weiß das bisher außer ihm keiner.

Was Würzbachs weiblicher Gast in der Bundesrepublik alles sehen und erleben durfte, hat der für Journalisten-Reisen

zuständige IP Stab bis heute nicht erfahren. Er müsse sich erst kundig machen, entschuldigte sich Hardthöhen-Sprecher Werner Baach vor den Bonner Journalisten. Er wisse nur von einer »angemessenen Betreuung«.

Würzbach selbst konnte seine seltsamen Aktivitäten vor dem Verteidigungsausschuß nicht stichhaltig erklären. Jeder kenne schließlich sein »besonderes Interesse« für Schwarzafrika, stotterte der sonst so markige Oberstleutnant a.D. vor den Abgeordneten.

Willy Wimmer, Würzbachs Intimfeind in der Christen-Fraktion, wollte zur Gaudi der SPD-Abgeordneten seine flinke Zunge wieder einmal nicht beherrschen: »Das hat sich ja wohl in besonderer Weise bewährt.«

Dennoch: Für Kohl und Wörner ist die Sache zunächst erledigt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nach dem Würzbach-Auftritt: »Ein weiteres Kapitel sachfremder Störungen eines auftragsgerechten Arbeitsablaufs auf der Hardthöhe ist geschlossen worden.«

Wohl nicht ganz. Denn im Konrad-Adenauer-Haus und auf der Hardthöhe sammeln Würzbach-Gegner inzwischen neues Material. Von einem zweiten zeitweilig in Schleswig-Holstein benutzten »Dienstwagen« aus dem Fuhrpark des MAD ist die Rede und von besonders teuren Sicherheitsmaßnahmen für sein Haus in Klein Rönnau: Über 100000 Mark kostete es bisher die Steuerzahler, den weithin unbekannten Staatssekretär vor »der Straße« zu schützen.

Hat Würzbach etwa Schwierigkeiten mit der Soldaten-Regel Nummer eins, die er gerne zitiert, wenn er Untergebenen kleine Sünden vorhält: »Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps«?

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