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PARTEIEN / CDU Bessere Kreise

aus DER SPIEGEL 39/1968

Anderthalb Jahrzehnte lang regierte Konrad Adenauer als Oberbürgermeister das »hillige« Köln; »später ging die Macht am Rhein über zur SPD. Nun soll Adenauer-Sohn Max, 58, das rote Rathaus den Christdemokraten und den Adenauers zurückerobern.

Mit einer Jecken-Zahl schickte Kölns CDU Dr. Max Adenauer ins Gefecht: 111 Delegierte kürten ihn im Isabellensaal des Kölner Gürzenich zu ihrem Spitzenkandidaten für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr.

Nur ein Adenauer, so glaubt die Unionspartei, könnte den populären SPD-Oberbürgermeister Theo Burauen, 61, der sich seit 1956 ungeschlagen behauptet, aus dem Amt verdrängen.

Freilich: Nur widerwillig stellte die CDU den »ironischen Fels« Adenauer gegen den »humorigen Fels« Burauen ("Kölner Stadt-Anzeiger"). Denn Max Adenauer, der zwölf Jahre lang Oberstadtdirektor von Köln war, hat seiner Partei bisher nur Ärger gemacht.

Nach 1964, als die rote Mehrheit den Rat überschwemmte, verzichtete er auf weitere zwölf Jahre Amtszeit, obgleich SPD-OB Burauen ihm die Wiederwahl garantiert hatte. Adenauer überließ damit die letzte wichtige CDU-Bastion in der Stadtverwaltung einem Sozialdemokraten.

Die im Stich gelassenen Parteifreunde rächten sich im Jahr darauf: Zur Bundestagswahl verweigerten sie Konrad Adenauers Zweitältestem eine Kandidatur in Köln. Allenfalls, so ließen sie ihn wissen, könne er sich in einem Wahlkreis am Niederrhein bewähren. Max Adenauer lehnte ab.

Sonderlich beliebt war der kühle Nichtraucher Adenauer, der mit Frau Gisela, vier Töchtern und Schäferhund »Dingo« ein Haus in Köln-Müngersdorf bewohnt, bei den rheinischen Christdemokraten nie. Obwohl in der Narrenstadt geboren und aufgewachsen, gerät sein Humor leicht spitz und ironisch. Er zieht Rosenmontagszügen einsame Wanderungen durch unwirtliches Gelände vor -- so bei einer 17-Tage-Tour samt Sherpas durch den Himalaja.

Nach seinem Verzicht auf das Oberstadtdirektorenamt verschmähte Max Adenauer auch die Partei-Kleinarbeit. Er zog sich mit einer ansehnlichen Pension (3000 Mark monatlich) ins Geschäftsleben zurück, trat in den Vorstand der Rheinisch-Westfälischen Boden-Credit-Bank ein und vertraute darauf, daß dereinst die CDU sich auf ihn und seinen guten Namen besinnen werde.

Und schon im folgenden Jahr, als in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen anstanden und Polit-Propheten einen SPD-Vorsprung voraussagten, klopften Kölns Parteiführer bei dem Warteständler an. Sie offerierten ihm ein Mandat in Köln, Max Adenauer akzeptierte gnädig den Kölner Wahlkreis 1.

Zwar murrte das Parteivolk, und Parteisekretär Rudi Conin nörgelte vor der Kandidatenwahl: »Es ist noch gar nicht so sicher, daß wir ihn wählen.« Aber Adenauer siegte in der Partei -- und verlor dann, wie die anderen sechs Kölner CDU-Kandidaten auch, gegen die SPD.

Auch diesmal stellte sich der forsche und um zehn Jahre jüngere Parteifunktionär Conin dem Favoriten aus dem Adenauer-Clan in den Weg. Er ließ sich als Adenauers Gegenkandidat aufstellen und verfehlte sein Ziel nur knapp: Im Gürzenich hatte Adenauer nur zehn Stimmen Vorsprung, die Abstimmung im Parteivorstand war zuvor mit zwölf zu elf bei zwei Enthaltungen noch dünner ausgefallen.

Statt auf den robusten Parteiarbeiter Conin setzte die Christenpartei, so der »Kölner Stadt-Anzeiger«, auf den »Mann der besseren Kölner Kreise«.

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