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Österreich »Bester Zugang«

aus DER SPIEGEL 5/1995

Ein illegal abgehörtes Gespräch zwischen dem Abgeordneten Hermann Kraft, Wehrexperte der konservativen ÖVP, und seinem sozialdemokratischen Parlamentskollegen Peter Marizzi erschüttert die Große Koalition. Durch Provisionen aus Rüstungskäufen wollten sie die Parteikassen füllen. Das Magazin News druckte Auszüge:

Marizzi: Angenommen, die Engländer kriegen das ganze Paket - Regierungsflugzeug, Kampf- und Transporthubschrauber. Das sind fünf Milliarden. Davon zwei Prozent. Das sind hundert Millionen. Wie bringen die das Geld nach Österreich? Hundert Millionen transferieren ist ja net möglich. Wie stellst du dir das vor? Das ist unheimlich schwer.

Kraft: Gar nicht so schwer. Des geht schon . . .

Marizzi: Wann wir Spenden kriegen - wir haben 600 000 Mitglieder. Wenn's hoch hergeht, kriegen wir an Spenden ein- oder zweitausend Schilling. Dann sind das einige hunderttausend Schilling, nie mehr. Und die werden verbucht. Aber glaubst du, daß ich von einem Kompensationsgeschäft auch nur einen Schilling nimm? Wie soll ich denn das verbuchen? Erst recht net hundert Millionen.

Kraft: Es geht schon. Die gehören ja nicht euch allein.

Marizzi: Da mußt du mir von Anfang an erzählen, wie so was geht. Angenommen, du bist nimmer im Parlament, krank oder sonst was. Mich interessiert, wie man so etwas abwickeln kann . . . Habts ihr schon Zugang zu den Engländern?

Kraft: Besten Zugang. Haben wir. Das rennt schon.

Marizzi: Haben die angedeutet, daß die was tun können, sollte die Produktauswahl Richtung britisches Flugzeug erfolgen?

Kraft: Sie wollen also auf jeden Fall den Transporter.

Marizzi: Wieviel springt denn da raus aus dem Transporter? . . . Ich frage dich, wie bringst du das Geld in die Partei? Da mußt du ja zumindest mit dem Generalsekretär reden . . . Da wissen ja zuviel Leut' davon. Wenn einer plaudert, is' man erpreßbar. Zu so was würd' der Vranitzky nie zustimmen.

Kraft: Davon müssen ja nicht sehr viel wissen.

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