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Briefe

BESTIALISCHE FREIHEIT
aus DER SPIEGEL 52/1970

BESTIALISCHE FREIHEIT

(Nr. 50/1910, Vietnam -- Amerikanische Kriegsverbrechen)

Keiner kann mit erzählen, die armen Soldaten handelten hier, aus Angst vor der feindselig fremden Umwelt, in einer psychischen Notsituation, vielleicht sogar noch in einem Zustand geistiger Umnachtung. Es ist doch anscheinend so, wie ich das auch schon längere Zeit vermutete: Diese abscheulichen Grausamkeiten werden plan- und schulmäßig gelehrt von Vorgesetzten und Ausbildern.

Berlin HEINZ RICHTER

Wann endlich wird sich Armeeoberbefehlshaber Nixon vor einem Tribunal verantworten müssen,

Freiburg (Bad.-Württ.) FELIX BECKER

Die »Freiheit« wird »gut, besser, om besten, bestialisch« (Who"s afraid of Virginia Woolf) verteidigt.

Konstanz MICHAEL GESSAT

Ich hoffe und bete darum, noch rechtzeitig vor Ausbruch eines »Konfliktes«, in den auch die Bundeswehr verwickelt wird, wegen schweren Einbruchdiebstahls in den Villen der Herren Strauß, Springer und Bühne zu einer ausreichend langen Freiheitsstrafe verurteilt zu werden.

Köln HEINZ DIETER HESSMANN

Ist denn das ganze amerikanische Volk mit Blindheit geschlagen?

Rosenberg (Bayern) BIRGIT SCHUBERT

Nie hat mich ein Bericht über den Krieg in Vietnam so erschüttert wie gerade dieser Auszug aus dem Buch des amerikanischen Rechtsanwaltes Mark Lane.

Espelkamp (Nrdrh.-Westf.)

HARTMUT REITH

Schreibt Briefe, sammelt Unterschriften, verbreitet Information, so gut es geht. Wenn die Proteste im Ausland sich mehren, so bleibt das in Amerika vielleicht doch nicht gänzlich unbeachtet.

Freiburg (Bad.-Württ.)

JOHANNA NEUHAUS

Was soll aus uns Deutschen mal werden, wenn wir solche Vorbilder haben wie die Amis.

Toronto (Kanada) BERTHOLD HOLTZBERG.

Vielleicht ist es tatsächlich zweckmäßiger, Amerika zum Freund zu haben, München HERMANN MORGUET

Wer in der Adventszeit (Kerzenschein, Lametta, gefühlvolle Stimmung) Ihren Beitrag über amerikanische Kriegsverbrechen in Vietnam liest, kommt auf die Idee, daß Herrn Nixon und seinen führenden Freunden beziehungsweise Gegnern in Süd- und Nordvietnam folgender 1. Weihnachtstag zu wünschen wäre: Festessen im großen Stil, dazu wird der kürzlich im Fernsehen gezeigte Film über das Lazarettschiff »Helgoland« vorgeführt, und ein Geistlicher liest monoton: VC, VC, kill, kill, kill. Gotta kill, gotta kill, 'cause it's fun ... Abschließend eine Hammond-Orgel leise: Silent night, holy night...

Enkenbach (Hessen) K.-D. HÄRTEL Diakon

Es ist doch Immer wieder beruhigend zu erfahren, mit welch angemessenen Mitteln die Amerikaner Recht und Ordnung auch in Asien herzustellen versuchen. Das Verhalten der amerikanischen Soldaten und Offiziere drückt beispiellos aus, wie reich dieses gelobte Land mit Kultur, Insbesondere aktiver Humanität, gesegnet Ist. Es Ist wirklich ein Jammer, daß die Banausen von Asiaten sich so hartnäckig geilen die Übernahme amerikanischer Lebensweise wehren. Mir tritt das Wasser In die Augen, wenn der Präsident unserer Verbündeten wieder einmal zur Ordensverleihung an unsere tapferen Jungs schreitet; aber nicht vor Rührung, sondern vor Wut!

Bremen LOTHAR STEPHAN ILSE ZICKMANTEL

LORE SCHLESINGER

Dieser Brief gilt Euch, Ihr deutschen Moral- und Sittenprediger. Ich hoffe, daß Ihr diesen Bericht genau gelesen habt. Denkt an ihn, wenn Ihr das Grinsen von Herrn Nixon seht. Vielleicht wird such dann klar, wie es mit seiner und Eurer Moral bestellt Ist. Denkt an die vergewaltigten Frauen, mißhandelten Kinder und an die Massentötungen von unschuldigen Zivilisten. Vielleicht versteht Ihr uns dann, uns, die »Langhaarigen und ach so Schmutzigen«, die gegen den Vietnam-Krieg und für den Frieden kämpfen,

Dortmund Wolfgang Sauer

Der Hauptverteidiger Calleys im My-Lai-Prozeß, George Latimer, hat ganz recht, wenn er sagt, nicht nur das Geschehen in My Lai selbst, sondern die Art der Kriegführung der USA in Vietnam müsse zur Debatte stehen.

MARGRET BEISSWENGER

Apropos: Was passiert, wenn Amerika erfährt, daß einige Gooks amerikanischen GIs mit der Rasierklinge den Penis abgeschnitten haben? Oldenburg (Nieders.)

HEINZ-DIETER SCHMIDT

Sog mir, Mutter -- sag"s geschwind, oh Soldaten alt so sind.

Großer Gott -- och nein, mein Kind, unsre nie -- niemals, mein Kind. Sie beschützen dich und mich, foltern keinen -- schießen nur, quälen niemand -- strafen nur, schützen Grenzen -- opfern sich, werfen Bomben -- schlachten nicht, holten mutig Strafgericht, aber so was tun sie nie,

nein, mein Kind -- nein, niemals sie, Ormesheim (Saarland)

Edeltraut Scheuer

Man bekommt in Ihrem Bericht den Eindruck, daß so manchem Schwein (Mensch) leid getan hat, daß die Gefolterten nicht mehr Ohren und Hoden hatten, da dann die Freude beim Abschneiden derselben um so größer gewesen wäre.

Ulm MANFRED WALTER

Was nützt der moralische Schock, den Lanes »Gespräche mit Amerikanern« über amerikanische Kriegsverbrechen in Vietnam auslösen? Nichts nützt er! Weil er weder die Ursachen dieser Greueltaten erklären noch die politische Position ersetzen kann.

München WOLFRAM WETTE

Mindestens ebenso erschreckend ist der Umstand, daß das -- offenbar moralisch abgestumpfte -- amerikanische Volk solche Berichte mit politischer Apathie zur Kenntnis nimmt.

Wuppertal REINHOLD GÖHLMANN

Daß der SPIEGEL angesichts der geschilderten Greuel, die zum Himmel schreien, bloß ein Krankenbett auf das Titelbild setzte, wirkt makaber.

Laufen (Bayern) HERMANN KÖBELE

Die Amerikaner henkten deutsche Offiziere wegen Kriegsverbrechen. Die Amerikaner appellieren am Tage der Menschenrechte an die Völker der Welt für eine menschlichere Behandlung der Kriegsgefangenen!

Ingolstadt (Bayern) INGE HARTWIG

Es gibt noch eine Möglichkeit, den Vietnamkrieg zu beenden. Den Papst kidnappen. Vielleicht ist Herr Nixon, angesichts der Drohung, den Papst zu ermorden, bereit, den Vietnamkrieg zu beenden.

Berlin Ingeborg Gottschalk-Wolf

Meine Unbefangenheit im Umgang mit Amerikanern ist dahin.

Dörnigheim (Hessen) KURT RÖMER

im Geiste sehe ich die Hitier-Kumpanei im Jenseits über diese seltsame Rehabilitierung höhnisch grinsen. Huckeswagen (Nordrh.-Westf.)

ERNST DITTRICH

Doch Amerika ist nur das rabenschwarze Schaf einer Familie schwarzer Schafe. Es ist Hohngelächter, das bestialischste aller Tiere ein vernunftbegabtes Wesen zu nennen. Der Dritte Weltkrieg oder die totale Verseuchung unserer Umwelt bewirken im Endeffekt das gleiche: die Selbstvernichtung der Menschheit. Wir haben sie verdient.

Effretikon (Schweiz) CASANOVA JÜRG

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