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ZEITGESCHICHTE Besuche beim kranken Wehner

aus DER SPIEGEL 39/1999

Am Ende seines Lebens fühlte sich Herbert Wehner, bis 1983 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, bei SED-Chef Erich Honecker besser aufgehoben als bei den eigenen Genossen. Das legen Aufzeichnungen des SED-Emissärs Wolfgang Vogel nahe, die jetzt in der Gauck-Behörde lagern. Der von seiner Demenzerkrankung gezeichnete Wehner beklagte sich danach 1986 bei Vogel, dass führende Sozialdemokraten ihm gegenüber »lediglich Pflichtübungen abhalten«. Über die Besuche Vogels im Auftrag Honeckers zeigte Wehner sich den Aufzeichnungen zufolge »zu Tränen gerührt« und erklärte, »niemand kümmere sich so um ihn« wie der Staats- und Parteichef.

Über seine eigene Partei äußerte sich Wehner bitter: Er sei »an der Zerstrittenheit der SPD gescheitert«. Langfristig befürchte er »eine Spaltung der SPD«. Dem SED-Chef Honecker hingegen prophezeite der kranke Wehner »noch große Aufgaben«. Ganz uneigennützig waren Vogels Besuche nicht. Der SED-Anwalt wollte Wehners Ehefrau Greta überzeugen, alle Dokumente über den Kontakt zu Honecker aus dem Privatarchiv Wehners zu entfernen - vergebens. Wehner starb im Januar 1990, neun Monate vor dem Ende der DDR.

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