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Hausmitteilung Bhagwan

aus DER SPIEGEL 32/1985

Datum: 5. August 1985 Betr.: Bhagwan Jahrelang hatte Bhagwan Shree Rajneesh die unerleuchtete Welt keines Wortes gewürdigt. Jetzt brach er sein Schweigen - in einem SPIEGEL-Gespräch. In seinem Hauptquartier im US-Staat Oregon stand der Erleuchtete den Redakteuren Rainer Weber und Erich Wiedemann Rede und Antwort. Der Guru, dem weltweit geschätzt 500000 »Sanjasin« anhängen, äußerte sich über seine Lehre und seine Geschäfte, Jesus ("hatte keine Ahnung von Religion") und Hitler ("war so moralisch wie Gandhi"), Selbstmord und Sex (Seite 92). Zwei SPIEGEL-Titel hatten sich kritisch mit Bhagwans Wirken im indischen Poona und den Geschäften der Bhagwan-Sekte befaßt. Ein SPIEGEL-Gespräch mit Ma Anand Sheela, Präsidentin des internationalen Bhagwan-Konzerns, ging letzten März dem Rendezvous mit dem Meister voraus. Vor dem Gespräch säumten Sanjasin den Weg ihres Allerhöchsten mit Blütenzweigen; Fiedel- und Flötenklänge begleiteten ihn vom Ausstieg aus dem Rolls-Royce bis zum Eintritt ins Konferenzzimmer. Die SPIEGEL-Journalisten durften nichts Wollenes am Leibe tragen, mußten die Schuhe ausziehen und sich mit speziellen Pflegemitteln waschen und salben - wegen Bhagwans Allergie-Empfindlichkeit, hieß es. Das Interview fand vor einer Kulisse mal schallend lachender, mal ungehalten raunender, überwiegend weiblicher Bhagwan-Anbeter statt. Es wurde von bhagwanistischen Technikern auf Video festgehalten, damit »die Worte Bhagwans nicht verlorengehen«. Häufig gebrauchtes Bhagwan-Wort, nicht im SPIEGEL-Gespräch: »Bullshit«.

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