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SPRACHE Bimbes mit Bimbes

aus DER SPIEGEL 5/2000

Im Gefolge der CDU-Affäre macht ein pfälzisches Dialektwort Karriere: »Bimbes«, wie Helmut Kohl Geld zu nennen pflegt, erobert Bildschirme und Zeitungstitel, Internet und Kabarett.

Per Anzeige im »Titelschutz-Anzeiger« reservierte sich der TV-Sender Sat 1 vergangene Woche sämtliche Rechte an Filmtiteln wie »Bimbes« und »Bimbes-Gate«. Seit Wochen taucht die Vokabel, die laut »Wörterbuch des Rotwelschen« der »Gaunersprache« entstammt, in Leitartikel-Überschriften auf - typisch: »Kohl und der Bimbes« ("Tagesspiegel"), »Die Macht des Bimbes« ("Welt"), »Mit und ohne Bimbes« ("Frankfurter Allgemeine").

Bimbes durch Bimbes verspricht sich offenbar eine Berliner Multimedia-Agentur, die sich fix die Internet-Adresse www.bimbes.de gesichert hat. Der Verwendungszweck war vergangene Woche noch offen - womöglich taugt die Webseite als Plattform für Kohl-Witzchen, die derzeit auf Kabarettbühnen und in Ulk-Sendungen eine Renaissance erleben. »Ich hab noch einen Koffer in Berlin, und wenn ich Bimbes brauch, dann fahr ich wieder hin«, singt der Kabarettist Thomas Freitag. TV-Entertainer Harald Schmidt witzelt über den Dicken: »Eines braucht Kohl nicht zu befürchten - dass er in Handschellen abgeführt wird. Die reichen ihm höchstens als Daumenschrauben.« Hessens Grüne verteilen selbst fabrizierte 200-Mark-Scheine mit Kohl-Porträt an Passanten.

Zeitungen scheuen sich nicht mehr, Namenswitze über den Altbimbeskanzler zu reißen: Der »Stern« nennt den Paten und Patriarchen der Union »Don Kohleone«, die »Zeit« kalauert: »Helmut Kohle.« Nachdem Sprachforscher »Kollateralschaden« zum »Unwort des Jahres« ausgerufen hatten, bescheinigte »Bild« der CDU einen »Kohllateralschaden«.

Bissiger als jeder Satiriker reduzierte vorige Woche ein »taz«-Leser im Briefteil des Blattes die Bimbes-Affäre auf ihren Kern: »Schuld ist die Süssmuth! Sie hat als Bundestagspräsidentin fahrlässig versäumt, dem ehemaligen Kanzler sein Ehrenwort abzunehmen, dass er bereit sei, seinen Amtseid zu halten.«

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