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LUFTHANSA Bis zur Taille

aus DER SPIEGEL 44/1965

Heide Rose posiert auf dem Werbephoto in der Uniform einer Lufthansa-Stewardeß vor einer Boeing 727, als wolle sie den Betrachter auffordern, für seine Reisen künftig nur die Maschinen dieser Gesellschaft zu benutzen.

Der Eindruck täuscht. Das Photomodell Heide Rose ist weder Stewardeß, noch posiert sie für den Luftverkehr. Uniform und Jet werben vielmehr für den Damenstrumpf »Arwa Vita 2000, den Strumpf bis zur Taille - und ohne Halter«.

In dem dazugehörigen Text wird behauptet, alle 506 Lufthansa-Stewardessen trügen die neuartige Beinhülle.

Lufthansa-Werbeleiter Jürgen Conrad zürnt: »Ich finde diesen Werbeverbund skandalös.« Ändern kann er ihn nicht. Die Arwa-Werber hatten vor Anlaufen ihrer Aktion von der Presse -Abteilung der Lufthansa Erlaubnis erbeten und erhalten. Sie standen nicht allein.

In den vergangenen Jahren verwendeten nicht weniger als 26 Firmen den Namen Lufthansa oder das Firmen -Symbol, einen fliegenden Kranich, zum besseren Verkauf der eigenen Erzeugnisse: Von Daimler-Benz und Porsche über Baufirmen wie Philipp Holzmann oder Strabag bis zu Fußfrisch im Transatlantik-Jet; von Haarspray über Coca- und Pepsi-Cola bis zu 4711 oder Spalttabletten.

Die Presseabteilung der Lufthansa stört dieser Zustand nicht. Für sie Ist jede Drittbenutzung des Namens Lufthansa zugleich kostenlose Verkaufsförderung. Die Werbeabteilung der Lufthansa dagegen ist unglücklich, eifersüchtig und verweist auf Pannen in der Vergangenheit.

So nennt die Berliner Carl Mampe AG seit langem ein Mixgetränk »Lufthansa -Cocktail«. Das Recht dazu erwarb die Firma vor zehn Jahren, als ein Lufthansa-Direktor meinte, das Produkt des renommierten Berliner Schnapsfabrikanten könne den Namen der gerade wieder gegründeten Fluggesellschaft schnellerbekannt machen; inzwischen haben sich die Verhältnisse gewandelt, aber die Cocktail-Abmachung blieb bestehen, denn sie ist auf unbegrenzte Zeit abgeschlossen.

Lufthansa-Werber Conrad hofft jetzt, die Arwa-Werbeaktion für »den Strumpf bis zur Taille« werde den Vorstand endgültig veranlassen, auf seine Linie einzuschwenken. Lufthansa-Vorstandsmitglied Süssenguth erklärte bereits: »Mir gefällt das auch nicht.« Und bei der Lufthansa-Zentrale mehren sich die Beschwerden der hanseatischen Luftdienerinnen darüber, daß männliche Fluggäste sich nach dem Wahrheitsgehalt der Anzeigen erkundigten.

Arwa-Stewardeß Heide Rose

Mit fremden Kranich-Federn

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