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Bittsteller

aus DER SPIEGEL 6/1949

Zwei inoffizielle nationalchinesische Abordnungen erbitten in Peking Frieden von den Kommunisten. Der »Friedensdelegation des chinesischen Volkes« gehören bekannte Professoren, Wissenschaftler und Journalisten an. Die fünfköpfige Friedensmission der Zentralregierung führt der frühere chinesische Botschafter in den USA, Dr. Yen. Für das Gebiet von Schanghai und Nanking wird über regionale Friedensschlüsse verhandelt Chinas amtierender Ministerpräsident Li Tsung Yen berief alle geflüchteten Regierungsmitglieder nach Nanking zurück. In einer Erklärung seiner Regierung werden die Kommunisten aufgefordert, von ihren »untragbaren Forderungen« abzugehen. Die National-Regierung sei noch immer in der Lage zu kämpfen. Kommunistische Sender bezifferten die Stärke der Mao Tse Tung-Armee mit über zwei Millionen Mann. Die National-Armee dagegen habe nur noch 600000 Mann. Allein im letzten Halbjahr 1948 seien 450000 Regierungssoldaten verwundet oder getötet und 1260000 gefangen genommen worden.

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Vor dem kommunistischen Hauptquartier in Tientsin drängen sich die ersten Beschwerde-Schlangen. Der Besitzer eines Speiselokals führte Klage über seinen Koch. Der hatte den Wechsel der Regierungsgewalt dazu benutzen wollen, sein Arbeitsverhältnis umzukehren und den Chef kochen zu lassen. Die Kommunisten gaben dem Arbeitgeber recht und zwangen den Koch unter Androhung von Strafe zum Weiterarbeiten. Die Arbeiter einer Tientsiner Fabrik demolierten aus Unzufriedenheit mit ihren Löhnen und dem Achtstunden-Tag die gesamte Einrichtung ihrer Werkskantine und beschwerten sich auf der Kommandantur. Die Kommunisten entschieden: Der Arbeitstag beträgt künftig zehn Stunden, die Löhne werden um 20 Prozent gekürzt.

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