BKA-Experte über Schutz von Politikern "Das ist unsere letzte Verteidigungslinie"

Wie werden Politiker beschützt? Steffen Russ vom Bundeskriminalamt erklärt, welche Situationen gefährlich sind – und was der Fall Lübcke für seine Arbeit bedeutet.
Angela Merkel, Bodyguards

Angela Merkel, Bodyguards

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Wenn es zu einem Angriff kommt, liegt nur ein Wimpernschlag zwischen der richtigen und der falschen Entscheidung: Darauf will Steffen Russ, Leiter der Sicherungsgruppe beim Bundeskriminalamt (BKA), sein Team von Personenschützern vorbereiten. "Dieser Moment muss niemals eintreten, aber er muss sieben Tage die Woche zu jeder Zeit mitgedacht werden", sagt Russ.

Die BKA-Beamten beschützen unter anderem die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten. Wie viele Politikerinnen und Politiker genau derzeit unter ihrem Schutz stehen, gibt die Behörde nicht preis. Die Zahl der Personen schwankt, weil der Bedarf sich nicht nur nach dem Amt richtet, sondern auch nach der Gefährdung einzelner Personen.

Als beispielsweise der Bundestag im Sommer 2016 die Armenienresolution verabschiedete und mehrere türkischstämmige Abgeordnete aus Kreisen türkischer Nationalisten bedroht wurden, stieg die Zahl der als gefährdet eingestuften Personen an.

Mit seinem Team ist Russ 24 Stunden für die Abgeordneten erreichbar. Sobald sie bedroht werden oder aufgrund eines politischen Ereignisses in den Fokus rücken, überprüft das BKA ihre Gefährdungslage. Russ und die Sicherungsgruppe sitzen in Berlin. In seinem Büro nahe des Treptower Parks erzählt er, was das BKA Politikern in Sicherheitsfragen rät und warum ein guter Personenschützer immer den entscheidenden Moment mitdenken muss.

Steffen Russ, 53, übernahm im Februar 2017 die Abteilungsleitung der Sicherungsgruppe im Bundeskriminalamt. In dieser Position war er unter anderem für die Einsatzleitung des BKA während des G-20-Gipfels in Hamburg zuständig. Zuvor war er Gruppenleiter der Sicherungsgruppe im Bereich Einsatz und operative Aufgaben. Russ studierte Volkswirtschaft an der Universität Köln und kam 1994 zum BKA.


SPIEGEL: Herr Russ, wie werden Politiker vom BKA geschützt?

Russ: Der Umfang unserer Schutzmaßnahmen hängt unter anderem von der Bewertung der Gefährdung ab, die sich für eine Politikerin oder einen Politiker auf Bundesebene beispielsweise aus dem jeweiligen Amt ergibt. Es gibt drei Gefährdungsstufen: In der dritten Stufe werden Personen anlassbezogen - zum Beispiel bei Wahlkampfauftritten - begleitet. In der zweiten Stufe erweitern wir unsere Maßnahmen. Und bei Personen der Stufe eins begleiten wir dauerhaft, sozusagen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, sei es im Dienst oder im Urlaub.

SPIEGEL: Und wenn der Politiker doch mal allein Brötchen holen möchte?

Russ: Wir versuchen grundsätzlich alles möglich zu machen und gehen natürlich auf die Bedürfnisse unserer Schutzpersonen ein. Wenn wir eine Gefahr sehen, raten wir von bestimmten Handlungen aber auch ab. Letztendlich sind unsere Schutzpersonen aber freie Menschen, die eigenverantwortlich über ihr Handeln entscheiden.

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