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Blechschäden und andere Konflikte

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aus DER SPIEGEL 20/1988

Knifflige diplomatische Probleme und beträchtliche außerplanmäßige Ausgaben präsentiert die Bundesmarine dem neuen Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU), der in dieser Woche von Manfred Wörner das Regiment auf der Bonner Hardthöhe übernimmt. Streit mit Nato-Partner Norwegen steht bevor um die Forderung des Osloer Energie-Konzerns Norsk Hydro, die Marine solle »einige zehn Millionen Mark« für die Blechschäden berappen, die das Kieler Unterseeboot U 27 Anfang März bei einer Kollision mit der Bohrinsel »Oseberg B« angerichtet hat. Die Reparatur des schwer lädierten Boots, so schätzen Experten, dürfte rund fünf Millionen Mark kosten.

Noch teurer wird die Instandsetzung des in Kiel unweit von U 27 vertäuten Zerstörers »Mölders«. Überschäumendes Fett aus einer defekten Friteuse hatte im vorigen Dezember beim Rückmarsch der »Mölders« aus dem Mittelmeer die Kombüse des Kriegsschiffes in Brand gesetzt. Qualm und Ruß ruinierten in der benachbarten Operationszentrale die erst vor einigen Jahren für mehrere Millionen Mark modernisierten elektronischen Anlagen. Geschätzter Schaden: 86 Millionen Mark.

Für den neuen Minister Scholz steht eine weitere Marine-Rechnung offen. Die Militärs verlangen von der Volksrepublik Polen 560 000 Mark als Ersatz für den Aufwand, der vor knapp einem Jahr entstanden war, als eine polnische Korvette in der Ostsee versehentlich den zur Beobachtung eines Flottenmanövers eingeteilten Tender »Neckar« beschossen hatte. Nach monatelangem Gutachter-Streit der Juristen von Verteidigungs- und Außenministerium, ob die Marine-Forderung überhaupt gerechtfertigt sei, entschieden Genschers Beamte, es sei »nicht opportun«, die Hardthöhen-Rechnung den an Devisenmangel leidenden Polen weiterzureichen.

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