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Blutige Rivalität unter Armen

aus DER SPIEGEL 22/2008

Die Gewaltwelle gegen Ausländer in Südafrika ist kein Novum auf dem Schwarzen Kontinent. Blutige Überfälle auf Migranten aus Nachbarstaaten sorgen schon seit Jahren für Unruhe, zuletzt etwa in Äquatorialguinea. Im Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas kam es 2007 nach zwei brutalen Banküberfällen zu einer Hatz auf rund 8000 im Land lebende Kameruner. Die Regierung hatte zuvor den Tatverdacht auf sie gelenkt. Nach Schätzungen gibt es in Afrika 17 Millionen Migranten. Die Mehrheit von ihnen ist auf der Suche nach Arbeit in ein reicheres Nachbarland gezogen, zumeist in die boomenden Küstenregionen. Dort konkurrieren sie mit armen Einheimischen. Schon seit 1989 kommt es im Senegal und in Mauretanien immer wieder zu Angriffen auf Angehörige des jeweiligen Nachbarvolkes mit Hunderten Toten. Im ölreichen Libyen gab es im Jahr 2000 rassistisch motivierte Überfälle auf Billigarbeiter aus Nigeria, Ghana und Sudan. Tripolis deportiert seither Einwanderer mit zum Teil äußerst brutalen Mitteln. In Mosambik waren voriges Jahr Zuwanderer aus Burundi und dem Kongo die Opfer, in Guinea sind es seit einigen Jahren Flüchtlinge aus Liberia. Zu staatlich geschürten Rassenunruhen kam es auch 2002 in der Elfenbeinküste, deren Kaffee- und Kakaoplantagen lange beliebtes Ziel für Arme aus ganz Westafrika waren: In Abidjan zündeten Einheimische Tausende Häuser von Einwanderern vorwiegend aus Burkina Faso an, 300 000 Menschen mussten fliehen.

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