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BND: Ost-Berlin fördert Kernkraft-Gegner

aus DER SPIEGEL 6/1977

Besorgt sehen Bonns Regierende dem 19. Februar entgegen. Für diesen Tag haben Bürgerinitiativen zu einer neuen Demonstration gegen das geplante Kernkraftwerk Brokdorf in der Wilster Marsch westlich von Hamburg aufgerufen. Zuvor, am 9. Februar, entscheidet das Verwaltungsgericht Schleswig über den zwischenzeitlich angeordneten Baustopp.

Nachdem der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg letzte Woche in Bonn um massive Unterstützung seiner Polizeistreitmacht durch den Bundesgrenzschutz einkam, befürchtet die Bundesregierung, daß es diesmal zu einer regelrechten Bürgerschlacht kommen könnte. Schon bei der Brokdorf-Demonstration im November letzten Jahres hatte es über 500 Verletzte gegeben.

Unterdessen hat der Bundesnachrichtendienst (BND) jenen, die wie Stoltenberg hinter den Anti-Atom-Aktionen vor allem die Machenschaften ostgesteuerter Umstürzler sehen, neue Munition geliefert. In drei Berichten jüngsten Datums meldete die Pullacher Agentenzentrale, westdeutsche Umweltschutz-Bürgerinitiativen würden von Ost-Berlin finanziell unterstützt -- mit sechsstelligen Beträgen.

Im vergangenen Dezember habe der Vorsitzende der Staatlichen Plankommission der DDR. Minister Gerhard Schürer, vor Führungsgenossen des SED-Zentralkomitees überdies angekündigt, Ost-Berlin wolle Störaktionen gegen den Bau von Kernkraftwerken in Westdeutschland künftig noch mehr als bisher mit Geld und auch mit personellen Mitteln (Einsatz ausgebildeter Störtrupps) fördern. Ziel dieser DDR-Hilfe sei es, so Schürer laut BND, Regierung und Konzerne zu verunsichern, einen möglichst langen Baustopp zu erreichen und damit das Wirtschaftswachstum im Wohlstands-Westen zu gefährden. Äußerst zugeknöpft haben die Ost-Behörden laut Pullach dagegen auf die Bitte westdeutscher Bürgerinitiativen reagiert, über Kernkraftwerke und Umweltschutz in der DDR informiert zu werden. Unter Hinweis auf die strengen Geheimhaltungsvorschriften sei jede Auskunft verweigert worden.

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