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Bombe

aus DER SPIEGEL 20/1950

Als parteipolitische Splitterbombe geht der gewesene General Ernst Remer in den Wahlkampf. Skeptische Schleswig-Holsteiner sagen ihm nach, daß er sich durch siegreich bestandene Saalschlachten die gekreuzten Stuhlbeine zum Eichenlaub des Ritterkreuzes verdienen wolle. Statt dessen trägt Remer neuerdings das Parteiabzeichen am Rockaufschlag des dunkelbraunen Knickerbocker-Anzuges: schwarzer Reichsadler auf rotem Grund (Sozialistische Reichspartei). Remer-Reden sollen helfen, der SRP noch rechtzeitig zu den Juli-Wahlen durch Aufstellung eigener Kandidaten in allen Wahlkreisen den wahltaktischen Vorteil einer Landesliste zu sichern, den sich der bürgerliche Block (CDU-FDP-DP) erst in Lüneburg einklagen muß. Dessen Wahlsorgen sind mit Remer um eine vermehrt. Die Kieler SPD-Regierung tat das ihre, der Splitterbombe den Zünder einzusetzen: Sie zog das zeitweilig über Remer verhängte Redeverbot zurück.

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