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PANAMA-KANAL Bomben auf den Isthmus

aus DER SPIEGEL 6/1964

Die Vereinigten Staaten wollen das Panama-Kanal-Problem durch den Einsatz von Atombomben lösen: Atomare Ladungen sollen einen neuen Kanal durch die mittelamerikanische Landenge sprengen.

Dieser Plan ist nicht nur eine Reaktion auf die »Yankee go home«-Krawalle der letzten Wochen in Panama. Er soll zugleich einen immer stärker spürbaren Nachteil des wichtigen Wasserweges beheben: seine technische Unzulänglichkeit für die moderne Schiffahrt.

Die 80 Meter hohe Hügelbarriere des Isthmus von Panama überwindet der Kanal derzeit mit Hilfe von zwölf Schleusen. Die vor 50 Jahren gebauten Schleusen (305 Meter lang, 33,5 Meter breit, 18,5 Meter tief) machen das Passieren von modernen Kriegsschiffen (US -Flugzeugträger »Forrestal": 317 Meter lang, 83 Meter breit) und von Super -Tankern (Japans »Nissho Maru": 291 Meter lang, 43 Meter breit) unmöglich.

Die für das Jahr 1980 berechnete Durchschnitts-Passage von 45 Schiffen pro Tag (zur Zeit: 30) würde der Panama-Kanal nicht bewältigen können.

Über 30 Projekte für einen neuen Kanal - ohne Schleusen in Meereshöhe angelegt - sind bisher in Washington geprüft worden. Drei stehen heute zur engeren Wahl:

- der Durchstich des Isthmus von Tehuantepec in Mexiko (Länge: 220 Kilometer);

- der Durchstich Costa Ricas entlang seiner Grenze mit Nicaragua (Länge: 250 Kilometer) und

- der Durchstich der Landenge von Kolumbien (Länge: 150 Kilometer).

Ein schleusenloser Kanal hätte viele Vorteile. Die Durchfahrt würde wesentlich beschleunigt werden, und die Betriebskosten würden gesenkt: Statt 14 000 Mann Bedienungspersonal (Panama-Kanal) würden 1000 ausreichen.

Die Folgen eines Bombenangriffs im Kriegsfalle könnten rasch behoben werden. »Eine Atombombe«, schrieb das US-Nachrichtenmagazin »Newsweek«, »würde nur ein größeres Loch schlagen.« Dennoch ist es gerade eine Atomladung, die den amerikanischen Kanal -Planern heute den größten Kummer bereitet. Eine Durchsprengung der Landenge mittels atomarer Reihenladungen würde die Kosten eines Kanalneubaus von vier auf eine Milliarde Dollar senken. Diese kostensparende Möglichkeit stößt jedoch auf ein weitpolitisches Hindernis: den Moskauer Atomteststopp-Vertrag.

Artikel I des im Vorjahr unterzeichneten Abkommens verbietet Kernwaffenexplosionen in der Atmosphäre und an der Erdoberfläche, »falls eine solche Explosion bewirkt, daß radioaktive Rückstände außerhalb der territorialen Grenzen des Staates auftreten, unter dessen Jurisdiktion oder Kontrolle eine derartige Explosion durchgeführt wird«.

Der rationelle Bau eines neuen Kanals quer durch Mittelamerika hängt damit von Moskau ab: Als dritte Signatarmacht des Teststopp-Vertrages neben Washington und London müßte die Sowjetregierung ihre Einwilligung zum Einsatz atomaren Sprengstoffs geben.

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