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Bomber bedroht Ozonhülle

aus DER SPIEGEL 26/1992

Wohin mit dem Tarnbomber B-2, dem mit zwei Milliarden Dollar Stückpreis teuersten Flugzeug der Welt? Diese Frage stellt sich, nachdem die Präsidenten Bush und Jelzin in Washington vorige Woche die radikale Verringerung der strategischen Atomsprengköpfe im Arsenal der USA und der russischen Raketentruppen vereinbarten.

Weil damit auch die Rolle der B-2 als Atombomber obsolet geworden ist - die vierstrahlige Maschine sollte in den Tundren Sibiriens mobile Fernraketen aufspüren und angreifen -, schlagen Strategen der Rand Corporation vor, das gespenstisch aussehende Flugzeug nun als konventionellen Bomber einzusetzen. Schon drei B-2 würden genügen, die Kolonnen etwa einer Panzerdivision so schwer zu treffen, daß sie sich nicht mehr zum Gefecht gruppieren könnten.

Doch mit dem Einsatz der B-2 als Höhenbomber, vergleichbar den B-52 im Verlauf des Golfkriegs, würde auch die Ozonhülle der Erde zusätzlich geschädigt werden. Um zu verhindern, daß die auf Radarschirmen unsichtbaren Tarnmaschinen Kondensstreifen bilden, wird in ihren Abgasstrom ein Gemisch aus Chloro- und Fluoroschwefelsäure eingespritzt, eine Grundsubstanz bei der Herstellung etwa von Natronlauge.

Das Säuregemisch soll die Wassertröpfchen in den Triebwerksabgasen so verändern, daß sie auf der Wellenlänge des weißen, mit bloßem Auge wahrnehmbaren Lichts nicht mehr zu sehen sind. Damit aber würde beim Einsatz der B-2 - sie soll eine Gipfelhöhe von 17 Kilometern erreichen - eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang gesetzt. Chloratome, die den Abbau des Ozons bewirken, würden dann erstmals direkt in die Ozonschicht ausgebracht und dort in Sekundenschnelle wirken.

Insgesamt 20 B-2, so hat der Streitkräfteausschuß des Senats empfohlen, sollen für die US-Luftwaffe bestellt werden. Vier Maschinen befinden sich gegenwärtig in der Flugerprobung.

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