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JUGOSLAWIEN-HILFE Brandbrief aus Belgrad

aus DER SPIEGEL 32/2001

Serbiens Premier Zoran Djindjic hat in einem Brandbrief an Kanzler Gerhard Schröder am vergangenen Freitag die Freigabe eines im Prinzip zugesagten 100-Millionen-Mark-Kredits angemahnt. Nur wenn das Geld »noch im August« eintreffe, sei der Kollaps seiner Reformregierung in Belgrad zu verhindern. Mit dem Darlehen sollen Engpässe im jugoslawischen Energie- und Verkehrswesen behoben werden. Ein Anruf Djindjics bei Finanzminister Hans Eichel wegen des Kredits war zuvor erfolglos geblieben. Eichels Beamte wollen, dass erst der Pariser Club - die westlichen Gläubigerstaaten - im September über eine Umschuldung für Jugoslawien entscheidet. Eine bilaterale Umschuldung wäre dann kaum vor Ende Oktober möglich. »Bis dahin sind wir im Eimer«, klagte Djindjic. Auch die Interventionen des Düsseldorfer Ministerpräsidenten Wolfgang Clement sowie der Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei Eichel blieben bisher wirkungslos. Die Bundesregierung hatte Djindjic vor dem Sturz des serbischen Despoten Slobodan Milosevic großzügige Hilfe in Aussicht gestellt. »Natürlich könnt ihr auf uns bauen«, hatte Schröder dem Amtskollegen Djindjic zugesichert. Doch derzeit blockieren EU-Bürokraten die Auszahlung jener insgesamt 1,5 Milliarden Dollar für das Jahr 2001, die Belgrad nach der Auslieferung Milosevics an das Haager Kriegsverbrecher-Tribunal von einer Geberkonferenz von 42 Staaten versprochen worden waren.

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