Zur Ausgabe
Artikel 5 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Brandt: »Ich halte mich da raus«

aus DER SPIEGEL 14/1981

Verärgert reagierte der SPD-Vorsitzende Willy Brandt auf Meldungen, zuletzt im SPIEGEL, an seinem Einspruch scheitere der Austausch des Spions Günter Guillaume. Er sieht darin die Unterstellung, er »sei dafür verantwortlich, daß Landsleute weiterhin sitzen müssen, die sonst auf freien Fuß gelangen können«. Möglicherweise sei die Version über Brandts Veto, so vermuten seine Mitarbeiter, vom Verfassungsschutz gestreut worden.

Tatsächlich hat der SPD-Chef der Regierung schon vor geraumer Zeit mitgeteilt, er wolle an der Entscheidung über einen etwaigen Austausch seines ehemaligen Referenten, der 1975 für 13 Jahre hinter Gitter wanderte, nicht beteiligt werden. Brandt: »Ich werde das auch nicht kommentieren.«

In einem Vermerk wies der SPD-Vorsitzende vorige Woche nach, dem ehemaligen Kanzleramtschef Manfred Schüler, dem Bundeskanzler und dem früheren Justizminister Hans-Jochen Vogel sei »seit Jahr und Tag bekannt, daß ich mich aus dem Fall G. herauszuhalten wünsche«. Einerseits könne niemand von ihm erwarten, sich für Guillaume einzusetzen. Brandt: »Andererseits werde ich die Regierung an nichts hindern, was sie für sachlich geboten und rechtlich zulässig« halte. So habe er auch den damaligen Vertreter der DDR in Bonn, Michael Kohl, beschieden.

Bei dieser Abstinenz blieb Brandt auch im Herbst 1980, als er von seinem Vize Hans-Jürgen Wischnewski erfuhr, in der Sache Guillaume könne »etwas fällig werden«.

Dennoch wurde Brandt immer wieder angesprochen. Offenbar meinte kein Bonner Politiker, selbst der Kanzler nicht, über Guillaume entscheiden zu dürfen, ohne vorher Brandt befragt zu haben. Ein Kanzlerberater: »Eine Art Osmose.«

Am 16. Februar erwähnte Helmut Schmidt zum erstenmal, der Justizminister werde wahrscheinlich eine vorzeitige Freilassung von Christel Guillaume nicht behindern, habe jedoch gegen die Entlassung ihres Mannes »justizpolitische Bedenken«. Guillaume hat erst Ende 1982 zwei Drittel seiner Strafe verbüßt. Im übrigen, so Brandt, habe der Kanzler bestätigt, »daß mein Verhalten für ihn stets klar gewesen sei«.

Am 4. März fragte der Innerdeutsche Minister Egon Franke bei Brandt nach, ob er Einwände gegen den Austausch von Christel Guillaume habe. Der SPD-Vorsitzende: »Ich habe meine seit Jahr und Tag in bezug auf G. eingenommene Haltung bestätigt.«

Zur Ausgabe
Artikel 5 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.