Zur Ausgabe
Artikel 7 / 81

Brandt-Kommission sucht Geld und Autor

aus DER SPIEGEL 32/1978

Willy Brandts »Unabhängige Kommission für internationale Entwicklungsfragen« hat Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Auf rund sechs Millionen Dollar werden die Kosten für das hochkarätige Gremium geschätzt, das im nächsten Sommer dem Uno-Generalsekretär Kurt Waldheim Empfehlungen zur dauerhaften Lösung des Nord-Süd-Konflikts vorlegen soll.

Der SPD-Vorsitzende läßt sich nur seine Auslagen erstatten; ins Geld gehen vor allem die Unterhaltung des in Genf residierenden Sekretariats samt neunköpfigem Professorenstab und die auswärtigen Sitzungen der 17köpfigen Brandt-Kommission.

Zwar haben mittlerweile die meisten westeuropäischen Staaten Willy Brandt Beiträge für sein Budget überwiesen, andere Länder wie Japan haben zwar Geld zugesagt, aber nichts geschickt. Da Brandt Unterstützung durch die Weltbank abgelehnt hat, sollen jetzt die Entwicklungsländer, die in der Kommission mit zehn Mitgliedern ohnehin die Mehrheit haben, um Kostenbeteiligung gebeten werden.

Schwer tut sich auch die bundesdeutsche Seite. Die Brandt-Kommission erhält kein Geld aus dem Bonner Haushalt; statt dessen sind die vier parteinahen Stiftungen als Mit-Finanziers vorgesehen.

So zahlte die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) die Kosten der Kommissionssitzung im afrikanischen Mali: auf Rechnung der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP) werden die Brandt-Männer im November nach Malaysia reisen, und wenn im nächsten Jahr das Gremium in Lateinamerika tagt, dann sollen sich die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU) und die Hanns-Seidel-Stiftung (CSU) die Kosten teilen. Zumindest bei den Christsozialen machten die Brandt-Helfer auch schon grundsätzlich Zahlungsbereitschaft aus. Auf Überweisungen von der Volkswagen-Stiftung hoffte das Brandt-Sekretariat hingegen vergebens.

* Auf der konstituierenden Sitzung 1977 auf Schloß Gymnich bei Bonn.

Während amerikanische Forschungs-Stiftungen bereitwillig die Nord-Süd-Experten subventionierten, verweigerten die VW-Mäzene einen Zuschuß unter Hinweis auf ihre »konkrete Forschungsbindung«.

Trotz der noch fehlenden Millionen hofft das Genfer Brandt-Büro, die Arbeit fristgerecht und ordnungsgemäß abschließen zu können. Die Finanzierung, klagt das Sekretariat, sei nicht einmal das größte Problem: Bislang fehlt immer noch ein Schreiber für den Brandt-Bericht.

Zur Ausgabe
Artikel 7 / 81
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.