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Brandt siegt über Helms

aus DER SPIEGEL 32/1990

18 Jahre nach dem gescheiterten Mißtrauensvotum hat der damalige SPD-Kanzler Willy Brandt einen späten Sieg über den Ex-FDP-Abgeordneten Wilhelm Helms errungen. Helms, Landwirt in Bissenhausen, hatte sich vor dem Münchner Landgericht gegen eine Passage in Brandts Memoiren gewehrt, wonach der Liberale dem sozialliberalen Kanzler im Vier-Augen-Gespräch »mit Tränen in den Augen« gestanden habe, er werde »wegen des Hofes« mit der CDU-Opposition gegen Brandt stimmen. Auch das Münchner Oberlandesgericht (OLG) gab jetzt dem SPD-Ehrenvorsitzenden recht; Brandt habe »glaubhaft gemacht«, daß seine Schilderung zutreffend sei, nicht jedoch die Darlegung von Helms. Die Richter zeigten sich besonders von Aussagen des damaligen FDP-Chefs Walter Scheel und des FDP-Abgeordneten Kurt Spitzmüller sowie der Sozialdemokraten Egon Bahr und Karl Wienand beeindruckt. Dazu gehörten Berichte, Helms habe »finanzielle Probleme mit seinem Hof« gehabt. Eine von Helms vorgelegte Bankbestätigung habe dagegen »keine näheren Daten zur wirtschaftlichen Situation im Jahre 1972« erbracht. Auch sei, so das OLG, nach dem versuchten Sturz einer Regierung das »zeitgeschichtliche Interesse der Allgemeinheit« an der Information höher zu werten als »das persönliche Integritätsinteresse« eines einzelnen.

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