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MODERNES LEBEN Bremser abgehängt

aus DER SPIEGEL 52/1987

Ein Stück amerikanischer Eisenbahn-Romantik soll verschwinden: der Bremserwagen ("caboose"), der jahrzehntelang am Schluß aller US-Eisenbahnzüge hing. In den mit Pritschen, Kochstelle und Trinkwassertank spärlich bestückten Endwagen, deren auffälligstes Merkmal das Bremserhäuschen war, verbrachten Lokführer, Heizer und Schaffner ihre Freizeit zwischen den Arbeitsschichten. Sie unterstützten zudem die Bremser, wenn diese angreifende Indianer und Cowboy-Desperados abwehren mußten oder mitfahrende blinde Passagiere von den Güterwagen jagten. Im US-Staat Virginia, wo der Bremserwagen seit 1914 gesetzlich vorgeschrieben ist, wollen die Eisenbahngesellschaften Norfolk Southern und CSX die alten Gefährte nun loswerden. Grund: Die Wagen seien ohnehin meist unbemannt und würden nur unnötig Geld kosten - sechs Millionen Dollar jährlich. Wenn Norfolk und CSX über den Widerstand von Gewerkschaften und Eisenbahn-Liebhabern obsiegen, müssen Caboose-Fans zum Anschauen der Traditionsvehikel nach Montana oder Michigan reisen, den US-Staaten, in denen die Bremserwagen auch dann noch obligatorisch sind.

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