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Artikel 5 / 19

Briefe

BRIEFE
aus DER SPIEGEL 41/1955

BRIEFE

TITEL-ANREDE (Nr. 38/1955, Beamte)

Es ist ist äußerst tröstlich zu wissen, daß es in unseren Verwaltungen noch Kerle wie Herrn Hoppe gibt. Es ist aber unlogisch von ihm, jemandem den akademischen Titel zuzubilligen, nur weil »er sich für den Doktor schwer angestrengt hat«. Die große Staatsprüfung des höheren Beamten, also des späteren Regierungsrates, ist im allgemeinen bekanntlich schwieriger als die Doktordissertation ... An und für sich wäre gegen Titelanreden nichts einzuwenden, wenn jeder überdurchschnittlich begabte Beamte in unserem Staat die Möglichkeit hätte, in die höhere Laufbahn aufzusteigen. Das ist aber allem Gerede zum Trotz nicht der Fall. Als Beamter des gehobenen Dienstes kann Herr Hoppe durch eine sogenannte Aufstiegsprüfung, wenn es sie überhaupt gibt, schwerlich weiterkommen ...

Husum

ROBERT MULTHAUPT

Es gibt im gehobenen Zolldienst nur wenige Beamte, die ihre Laufbahn als Oberinspektoren beenden; wer keinen Klecks in der Personalakte hat und nicht auf eigenes Verlangen oder durch unglückliche Umstände in den entscheidenden Jahren der Laufbahn von einem Oberfinanzdirektionsbereich in einen anderen versetzt worden ist, hat wohl in der Regel gute Aussichten, mindestens als Amtmann abzugehen.

Im Falle Hoppe aber möchte ich prophezeien, daß er als Oberinspektor pensioniert werden wird. Was er getan hat, tut in einer »preußischen« Verwaltung niemand ungerochen. Vergessen Sie nicht einen Vermerk im Rückspiegel, wenn er doch noch Amtmann werden sollte.

Hameln

EDUARD SCHOHR

Man soll den Oberzollinspektor Herrn Hoppe auf einen Schild heben dafür, daß er einer der Seltenen ist, an dem sich die Titelsucht die »Hörner"*) abstößt!

Konstanz

F. A. WITTIG

Wenn ein taktloser Zöllner Differenzen mit seinem Vorgesetzten hat, so sollte das eine Angelegenheit seines Dienstvorgesetzten oder allenfalls ... des demokratisch gewählten Beamtenausschuses seiner Dienststelle sein ...

Berlin

GREGOR HASSREITER

... Wenn ein junger Referendar in Nordrhein-Westfalen (nur von dort weiß ich es mit Sicherheit) ... ans Gericht

*) Der Vorgesetzte des Oberzollinspektors Paul Hoppe ist Regierungsrat Hans-Heinz Hörner. kommt, dann unterschreibt er - anläßlich der Zeremonie seiner amtseidlichen Verpflichtung - ein Schriftstück, in dem ihm unter anderem auferlegt wird, jeden Beamten mit Titel anzureden. (Er wird dafür entschädigt - man spricht ihn selbstverständlich mit »Herr Referendar« an.)

Im Hinblick auf sein künftiges Assessorexamen hält er sich selbstverständlich streng an die Vorschrift ...

Hamburg-Othmarschen

KLAUS MAY

Der besonders bei uns in Deutschland kultivierte Brauch, den beamteten oder akademischen Mitmenschen nur mit seinem Titel anzureden ("Guten Tag, Herr Doktor!") ist ein überlebter Zopf, der endlich einmal fallen sollte ... Wie wäre es mit einem herzhaften Kompromiß? Titel und Name: »Guten Morgen, Herr Doktor Müller!« - Anerkennung verdienter Würde und moderner Zug zum Menschlichen sind darin vereint. Das hätte natürlich auch bis zum höchsten Vertreter des Staates, eingeschlossen eine künftige Wehrmacht, zu gelten ...

Frankfurt

WILM ENGE

... In erster Linie werden Titel angewandt, weil es in Deutschland eine achtbare Anrede wie »Monsieur«, »Sir«, »Signore« usw. nicht gibt, man aber oft dem Angeredeten seine Reverenz erweisen möchte ... Nichts anderes ist der Titelgebrauch gegenüber Vorgesetzten innerhalb der Beamtenschaft, ohne daß es dabei darauf ankommt, ob der Vorgesetzte älter oder klüger ist als der Untergebene. Mag in vielen Fällen diese Sitte abbaureif sein, so kann sie nur von oben nach unten abgebaut werden, d. h. der jüngere Regierungsrat sollte den ihm unterstellten Oberinspektor bitten, von dem Titelgebrauch abzusehen, vorausgesetzt, daß der Oberinspektor, wie Paul Hoppe, nicht durch sein anmaßendes Wesen andere vor den Kopf stößt. Mag Herr Hoppe auch die fachlichen Qualitäten haben, um in den höheren Dienst aufzusteigen und selbst einmal Regierungsrat zu werden - genügend Taktgefühl scheint er mir dafür nicht mitzubringen.

Hannover

R. SPOHN

SCHMEISSER-PROZESS

Meinen herzlichen Glückwunsch zum gut überstandenen Schmeißer-Prozeß, bei dessen Ende Sie ja wohl materiell von dem Inhalt des Artikels nichts zurückgenommen haben. Leider kommt der biedere Bundesbürger um die von Herrn Jaene versprochenen Knüller, die doch sicher recht aufschlußreich gewesen wären. Es fehlt eben ein Spiegel für den SPIEGEL.

Winnenden

ULRICH WILDERMUTH stud. med.

AUFRICHTIGE GLÜCKWÜNSCHE ZUM ERFOLGREICHEN ABSCHLUSS DES SCHMEISSERPROZESSES IN HANNOVER

München

DR. MERTEN Rechtsanwalt

Ich nehme an, daß Sie über die Affäre, die mit Ihrem Artikel »Am Telefon vorsichtig« begann und mit den Adenauer-Telefonaten des Herrn Professors Dahs nach Bonn endete, sicherlich eine abschließende Würdigung folgen lassen. Als Titel für diesen Artikel schlage ich Ihnen vor: »Am Telefon nachsichtig!«

Düsseldorf

WILLI KREITERLING

Ich bin gebügelt: Jetzt backst Du auch schon kleine Brötchen? Ist denn in unserer gesegneten Demokratie keiner mehr zu retten?

Mach'' Dir doch bitte einmal klar, daß nicht nur ich brennendes Interesse daran habe,

zu erfahren, wie''s weitergegangen wäre. Dieser Abgang war denn doch etwas zu offensichtlich »der Not (des Bloßgestelltwerdens) gehorchend, nicht dem Triebe (die Wahrheit ans Licht zu bringen)«.

Für meine Begriffe von Reinlichkeit wird Wäsche nicht dadurch sauber, daß man sie zusammenrollt und in eine Kiste steckt. Wenn es sich noch lohnt, wird jeder ein beschmutztes Hemd waschen oder waschen lassen. Lohnte sich''s nicht mehr, oder nimmt man an, auch mit dunkelweißem Hemd noch bewundert zu werden? Werde ich beleidigt, verzichte ich auf Strafverfolgung doch nur dann, wenn ich befürchte, am Ende selbst der Geleimte zu sein.

Oberhausen

HERMANN MEYER

FÜR MEINEN BEGRIFF HABEN SIE DEN PROZESS TURMHOCH GEWONNEN.

Berlin

HANS BUCKWITZ

Dieser Prozeß wird noch einmal eine Rolle spielen, wenn sich seiner die Propaganda einer radikalen Partei bemächtigen wird, er ist so zu einer Zeitbombe mit Spätzündung geworden.

Niebüll

DR. MED. K. PREUSS

Nachdem Sie vor längerer Zeit schon einmal schrieben, daß man versucht habe, auf kaltem Wege durch eine Generalamnestie die betrübliche Affäre Schmeißer aus der Welt zu schaffen, was anscheinend nicht geglückt ist, erleben wir nunmehr diesen Skandalprozeß, bei dem offensichtlich vertuscht worden ist, was im Interesse der Allgemeinheit aufgeklärt werden muß. Und nur das hat ja der SPIEGEL vor mehr als drei Jahren gefordert mit dem Schlußsatz: »Niemand hat das, was Konrad Schmeißer vor amtlichen Stellen behauptet (nämlich in Kehl, Offenbach und Wiesbaden), bisher zum Anlaß genommen, ihn wegen dieser Behauptung zur Rechenschaft zu ziehen.« Da aber der ehemalige Agent Schmeißer seine Behauptungen auch jetzt nicht vor Gericht zurückgenommen hat, stimmen sie also! Obgleich der Herr Bundeskanzler das damals hätte wissen müssen, hat er die Beschlagnahme der SPIEGEL-Nummer vom 9. 7. 1952 betrieben, anscheinend also nur zu seiner eigenen Freude, um dem SPIEGEL zu schaden, denn das sprach aus seinen damaligen Worten: »Und wenn es nur 20 000 Mark sind, es freut mich auch.« Anders als Palmström kommt der deutsche Staatsbürger zu dem Ergebnis:

Nein, kein Traum war das Erlebnis, weil, so schließt er messerscharf, doch sein kann, was nicht sein darf.

Und wann steigt nun Ihr Prozeß vor dem Bundesverfassungsgericht?

Mülheim (Ruhr)

WILHELM BANNIER

HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE ZUM TOTALEN ERFOLG IN HANNOVER

Dortmund

WOLFGANG SCHUCHT Rechtsanwalt

Pfui Teufel! Da stinkt''s - Bei Ihnen wie in Bonn.

Stuttgart-W.

Erich Rupp

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

Frankfurt a. M.

HERMANN JOST

Ich wäre Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie mir die nun schon berühmt-berüchtigte SPIEGEL-Nummer mit dem »Schmeißer-Artikel« übersenden könnten. Ich würde diesen sehr gern einmal lesen und ihn dann meiner SPIEGEL-Sammlung einverleiben, zumal diese »rumorende Masse« in Hannover zu einer so »lahmen« Explosion kam.

Wiesbaden

WOLFF FLEISCHER

Hiermit bestelle ich den SPIEGEL, Ausgabe vom 9. 7. 1952.

Berlin

HORST TRINKAUS

Nachdem der sogenannte Schmeißer-Prozeß beendet ist, kann auch die Beschlagnahme der SPIEGEL-Ausgabe, die Anlaß zu diesem Prozeß war, nicht mehr aufrechterhalten werden.

Darmstadt-Eberstadt

LUDWIG HILLGÄRTNER

Die Staatsanwaltschaft hielt es in ihren Anträgen zur Einstellung des Schmeißer-Prozesses nicht für nötig, die Freigabe der beschlagnahmten Exemplare der Ausgabe vom 9. 7. 1952 zu verfügen oder sich auch nur zu diesem Thema zu äußern.

- Red.

Derartige Prozesse sind mehr oder minder Racheakte oder auch Reinwaschungsversuche amtlicher Stellen, die für diese den Vorteil haben, sehr billig zu sein. Selbst wenn ein solcher Racheakt mißlingt, zahlt der Steuerzahler die Kosten. Grundsätzlich wird beamteten Zeugen die Aussagegenehmigung verweigert.

Hamburg

H. C. BREMER

Wieso übernimmt das Auswärtige Amt die Kosten von 4000, - DM, die der Flug des Dr. Strom gekostet hat?

Düsseldorf

HUBERTUS NEHRING JR.

Jetzt bin ich auf die nächste Nr. des SPIEGEL gespannt. Es ko ... mich schon an, nun auch in Ihrer Zeitschrift das dumme Geschwafel von »höherer staatspolitischer Einsicht« lesen zu müssen.

Schade, die letzte Eiche im deutschen Blätterwald fiel den 51 Prozent zum Opfer!

Moers

SIEGFRIED GRÖSCHEL

Den Schmeißer-Prozeß haben die homerischen Kontrahenten ja hervorragend geschmissen.

Essen-Stadtwald

SIEGERIED LEVY

Wann wird der Film »Schmeißer« mit Gustaf Gründgens in der Hauptrolle gedreht? Ist die übrige Rollenbesetzung schon bekannt? Ein todsicheres Auslandsgeschäft!

Hannover-Linden

ERNST SOMMER

HAUSHALTSGERÄTE (Nr. 30/1955, Werbung)

Zu Ihrem Beitrag »Erhards Verbrauchswelle« in Heft Nr. 30 stelle ich fest, daß ich die mir in diesem Beitrag in den Mund gelegten Gedanken weder wörtlich noch inhaltlich geäußert habe. Von einer in Abwesenheit des Bundeswirtschaftsministers angeblich von mir geübten Kritik ist mir nichts bekannt. Das Familienministerium ist im Gegenteil seit langem um Erleichterung der Beschaffung von arbeitssparenden Haushaltsgeräten zur Entlastung unserer Hausfrauen bemüht.

Bonn

DR. WUERMELING Bundesminister

Die Information des SPIEGEL stammt von Teilnehmern der Kabinettssitzung, in der Minister Wuermeling sich über das Konsumförderungs-Programm Professor Erhards äußerte. Die Gesprächspartner des Ministers Wuermeling haben offenbar als eine Ablehnung der Erhardschen Pläne verstanden, was als Befürwortung gemeint war.

- Red.

JENS DANIEL (Nr. 38/1955; Nr. 39/1955)

Wer nun immer noch glaubt, über die Nato in das wohlzubereitete Bett der Wiedervereinigung zu fallen, dem ist beinahe wohl kaum noch zu helfen. Hat man diese Überzeugung nicht augenscheinlicher aus den westdeutsch-sowjetischen Gesprächen gewinnen können? - Gibt es denn einen idealeren Staat als die Bundesrepublik, der Regierung von Ost-Berlin als Steigbügelhalter die internationalen Salons zu öffnen? Täuschen wir uns nicht, wir

werden über kurz oder lang mit den Vertretern der sowjetzonalen Regierung ins Gespräch kommen - ob uns die Männer passen oder nicht - , oder aber wir werden auf unabsehbare Zeit auf eine Wiedervereinigung verzichten müssen. Das mag manch einer mit bitterer Ironie schlucken, aber leider, leider sind wir an der heutigen Situation nicht ganz unbeteiligt, so liegt sie, nicht anders.

Bochum

H. WOLFGANG KLAUS Mitglied der Ev. Akademie Westfalen

Jens Daniels Artikel »Die Quittung« und »Nach Tisch« können wir in Berlin unter dem gemeinsamen Titel »Berlin hat keine Chance mehr« zusammenfassen. Das ist die reale und harte Wirklichkeit, die wir dem größten Staatsmann seit Bismarck zu verdanken haben. Jens Daniel hat leider recht, wenn er in Sachen Wiedervereinigung dem Kanzler Vorwürfe machen muß, und wir Berliner schließen uns an. Jetzt müßte Minister Kaiser seinen Abschied nehmen wie einst Heinemann, als er die Militärpolitik der Bundesregierung nicht mehr mitmachen wollte. Aber wer hat denn noch Mut zur Wahrheit und zu seinen Fehlern? Berlin bleibt ohne Chance!

Berlin-Tempelhof

WERNER KEGLER

FRANKFURTER ALLGEMEINE (Nr. 40/1955, Presse)

1. Ich habe nicht lamentiert, daß der Kanzler nicht schon drei Jahre früher den Koffer für Moskau gepackt habe.

2. Ich habe Herrn Dombrowski nicht geschrieben, wenn man mir Vorschriften machen wolle, dann könnte ich die Verantwortung nicht mehr tragen. Ich habe ihm geschrieben, wenn etwas Neues gefordert werde, wenn ich also meinen Kurs ändern solle, müßte ich zurücktreten. Dann ist mit 3:2 Stimmen mein politischer Kurs verworfen worden. Mein Rücktritt war also kein »Fehler«, sondern für einen Journalisten, der auf die Sauberkeit seines Berufes Wert legt, eine Selbstverständlichkeit.

3. Ich habe niemals zugesagt, nach Tokio zu gehen. Das war ein Vorschlag meiner Kollegen, auf den ich mir die Entscheidung vorbehalten habe.

Oberursel (Taunus)

DR. PAUL SETHE

Es ist ja sehr bedauerlich, daß Herr Sethe über seine Kritik an Bonn gestolpert ist. Adenauer kann nicht genug kritisiert werden. Aber schließlich hätten Sie auch vermerken müssen, daß Sethe in anderer Beziehung sehr unkritisch ist. In keinem anderen ernst zu nehmenden Blatt und von keinem anderen prominenten Leitartikler wurde der öde wilhelminische Nationalismus so gepäppelt wie durch Sethe in der FAZ. Seine Verherrlichung der primitiven Bismarck-Aufwertung durch den schweizerischen Oberlehrer v. Muralt, seine Vergötzung des politisch recht fragwürdigen Freiburger Professors Ritter - sie waren doch nicht mehr zu ertragen! Nein, es ist schon ein Segen, daß die Zeitung sich von diesem Herausgeber getrennt hat.

Stuttgart

DR. HANS FRANK

MOSKAU-REISE (Nr. 39/1955, Moskau)

Um der Gerechtigkeit willen muß doch einmal festgestellt werden, daß der Herr Bundeskanzler nicht der erste gewesen ist, der sich um die Freilassung der noch festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjet-Union mit Erfolg bemüht hat. Derjenige, der als erster von einer Moskaureise einige tausend Kriegsgefangene mit nach Hause brachte, war kein Geringerer als der umstrittene Kirchenpräsident D. Martin Niemöller. Selbst der verstorbene Bundestagspräsident Dr. Hermann Ehlers

nannte es auf dem Leipziger Kirchentag eine unerklärliche Ungerechtigkeit, daß seinerzeit die westdeutsche Presse diese Tat Niemöllers einfach totgeschwiegen und statt dessen ihn mit Hohn und Verachtung für sein Eintreten für die Kriegsgefangenen gestraft hat. Wenn man die Ausführungen Dr. Karl Silex'' liest, kann man nicht umhin, die Frage zu stellen, warum man mit der Lösung dieses menschlich so dringenden Problems bis heute gewartet hat, den Gefangenen somit noch weitere 3S Jahre Kerker zumutete und dies alles aus rein politischen Gründen. Mir erscheint diese Nachordnung menschlicher Erfordernisse hinter politisch-diplomatische Grundsätze für die Politik einer »christlichen Partei« in höchstem Grade unverständlich.

Hinte/Ostfrld.

THEODOR IMMER

Wie viele Millionen hat eigentlich die Fahrt nach Moskau wieder gekostet? Nehru fuhr nur mit einer Aktentasche nach Moskau.

z. Zt. Hamburg

DR. ZUBEIL

Besonders verdienstvoll schienen mir die Schilderungen der Tätigkeit Carlo Schmids. Dieser Politiker, der in wahrstem Sinne des Wortes ein Staatsmann ist, hat wieder einmal seine überragende Qualität bewiesen, diesmal sogar auf dem internationalen Parkett. Nun sucht man einen Botschafter für Moskau. Wäre es nicht das vernünftigste, Professor Schmid zu schikken? ... In der Regel sehen die Sowjets zwar sozialdemokratische Politiker nicht sehr gern ..., aber Schmid bestätigt als Ausnahme die Regel. Er verstand sich sowohl mit dem »Proleten« Chruschtschew wie mit dem »Lateiner« Malenkow und dem »Trinker« Bulganin ... Wenn von der bundesdeutschen Mission etwas erreicht werden kann - Schmid wird es erreichen. Seine Berufung könnte sogar die angeblich so heiß herbeigesehnte Verbesserung der Beziehungen zur SPD herbeiführen: erstens, weil ein Sozialdemokrat einen wichtigen Posten bekäme, zweitens, weil Ollenhauer seinen schärfsten Konkurrenten um die Gunst der Massen endlich los wäre.

München

H. PAUL

Wie gut der SPIEGEL in seiner letzten Moskau-Reportage die Atmosphäre getroffen hat, beweisen die Aufnahmen der Wochenschau. Bulganins weltmännisches Benehmen zeigt, daß die Sowjet-Union die Epoche des Bürokraten Molotow und des ein wenig täppisch wirkenden Parteifunktionärs Chruschtschew überwunden hat.

Bremerhaven

HEINZ MOELLER

KUGELSCHREIBER (Nr. 35/1955, Industrie)

Der Aufsatz über die Kugelschreiberindustrie ist teilweise dahin falsch verstanden worden, als hätte die Firma BELLMANN & Co. in Ansbach sich mit den Inhabern der Kugelschreiber-Patente nicht oder noch nicht geeinigt. Allerdings war BELLMANN von allen fortsetzungslizenzberechtigten Firmen die letzte, die den neuen Lizenzvertrag mit dem Inhaber der wichtigsten Kugelschreiber-Patente unterschrieben hat. Gemäß dieses Vertrages gehört BELLMANN ab 1. 7. 1955 zu denjenigen Firmen, deren Kugelschreiber und Schreibminen in Deutschland patentrechtlich nun nicht mehr angegriffen werden ... Sie haben in Ihrem Aufsatz zutreffend herausgearbeitet, daß es sich bei dem neuen Lizenzvertrag vor allem um einen kaufmännischen Entschluß handelte. So betrachtet, fühlt sich BELLMANN nicht als Verlierer.

Ansbach

BELLMANN & Co.

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