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Briefe

BRUDERZWIST
aus DER SPIEGEL 17/1963

BRUDERZWIST

Der Streit kommunistischer Parteien, in dem Falle der russischen und chinesischen, wird wirklich im Westen falsch eingeschätzt. Wie können Kennedy, de Gaulle und andere führende Staatsmänner hoffen, daß die Kontroverse Moskau-Peking so ernste Folgen haben könnte, daß Chruschtschow die Hilfe seiner Widersacher in Anspruch nehmen würde, um gegen China zu marschieren? Freilich - ein schöner Traum.

Gaggenau (Bad.-Württ.) J. ZACHARIAS

Die liberale Brise, die gegenwärtig aus Rußland weht, darf man nicht von jenem revolutionären Orkan trennen, der im Jahre 1917 eine morsch gewordene Gesellschaft hinwegfegte. Damals wurde der Westen nicht müde, den Tod der jungen Sowjet-Union zu prophezeien. Natürlich trat das Gegenteil ein: Der Kommunismus wuchs, wurde stark und brauchte keine fünfzig Jahre, um die Hälfte der vorn »Finanzkapital und Theismus beherrschten Welt« zu erobern. Nachdem das »internationale Scheinchristbürgertum« den Kommunismus nicht verhindern konnte, hofft es jetzt, der Kommunismus werde bei der dialektischen Auseinandersetzung zwischen Moskau und Peking Selbstmord verüben. Mit solchen spießkrämerischen Illusionen verschleiert der Westen seine Ideenlosigkeit.

Nieder-Eschbach (Bad.-Württ.) W. MÜLLER Der ganze Antifaschismus unserer europäischen Marxisten-Leninisten ist nur Mittel zum Zweck, sie verbünden sich, wenn es notwendig erscheint, auch mit den angeblichen Todfeinden. Der Grundsatz von Lenin: »Unsere Sittlichkeit ist den Interessen des Klassenkampfes untergeordnet«, hat noch immer seine Gültigkeit. So bricht Chruschtschow hundert Verträge mit seinen proletarischen Brüdern und hält sie mit den »Faschisten« und umgekehrt. Sich der Bedingtheit aller Vereinbarungen mit den Staatsmännern des Ostblocks bewußt zu bleiben, wird sicherlich bei allen zukünftigen Verhandlungen von Nutzen sein.

Wien FLORIAN RICHTER

In Ihrem Artikel über den Konflikt zwischen China und der Sowjet-Union behaupten Sie, Adenauer und de Gaulle spekulierten schon lange auf eine Hinwendung Chruschtschows zum Westen. Das Schwergewicht der Spekulation liegt hier viel eher beim SPIEGEL als bei den Großvätern Westeuropas.

Hamburg DR. CHRISTOPH GÜDEL

Der Kreml wird machtlos zusehen müssen, wenn in drei oder fünf Jahren einige Millionen unbewaffnete Chinesen hinter roten Fahnen marschierend »brüderlich« über die Grenzen strömen werden, um von den dünn besiedelten russisch-asiatischen Gebieten Besitz zu ergreifen. Der neue Dschingis Chan wird sich seine Beute unter dem vorab annektierten Hammer-und-Sichel-Symbol viel einfacher holen können, als der vor 800 Jahren geborene.

Aachen GERHARD HANKE

Ein erfolgreicher Abschluß der laufenden Verhandlungen westdeutscher Industrieller mit Pekinger Wirtschaftsexperten und weitere Maßnahmen im Sinne des Röhren-Embargos gegenüber der UdSSR wären eine logische Folge der so augenfällig dokumentierten antideutschen Kreml-Politik.

Frankfurt DR. H. G. WEISER

Moskau-Peking-Titel

»Wir werden gemeinsam am Grobe des Kapitalismus stehen ...

Simplicissimus

... sofern wir uns nicht vorher gegenseitig einen Schubs geben.«

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