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KONGO / SÖLDNER Brücke am Ruzizi

aus DER SPIEGEL 48/1967

In Bukawu feuerten farbige Soldaten in die Luft. Sie feierten einen Sieg, auf den sie über drei Monate lang warten mußten.

Seit August hatten 15 000 Soldaten - die Hälfte der gesamten kongolesischen Armee - vergeblich versucht, eine Streitmacht aus der Grenzstadt zu verjagen, der sie 15fach überlegen waren.

123 weiße Söldner unter Führung des Colonels Jean Schramme und 950 ehemalige Gendarmen der Kongo-Provinz Katanga unter dem Kommando des schwarzen Obristen Léonard Monga hatten sich in jener Stadt eingeigelt, die einst Ferien-Residenz der belgischen High-Society war.

»Unsere militärische Position ist besser als je zuvor«, prahlte Schramm; »die können uns nicht besiegen.«

In der vorletzten Woche taten sie es doch. Amerika und der US-Geheimdienst CIA, die mächtigsten Verbündeten des pro-amerikanischen Kongo-Präsidenten Joseph-Désiré Mobutu, griffen ein.

50 Millionen Dollar jährlich pumpt Anerika in Mobutus Staat. »Keine andere Nation«, so die »New York Times«, »nicht einmal Belgien, ist so tief im Kongo engagiert wie die USA.« Der Kongo-Präsident belohnt die US-Hilfe mit anti-kommunistischem Kurs; die Sowjet-Union hat keine Botschaft in Mobutus Reich.

Per kongolesische Ex-Regierungschef Moïse Tshombé hatte die Söldner ins Land geholt; Mobutu übernahm sie nach seiner Machtergreifung und besoldete sie mit 1800 bis 5600 Mark im Monat.

Erst unter dem Druck seiner afrikanischen Kollegen beschloß der schwarze Präsident, sich von den weißen Männern zu trennen, und suchte Hilfe bei Amerika. Linke Kongo-Politiker, so klagte der Präsident dem »New York Times«-Kolumnisten Sulzberger, versuchten immer energischer, ihn auf Ostkurs zu drängen: »Denn es gibt keine Söldner aus dem Osten, nur aus dem Westen.«

Amerika half. Drei Transportflugzeuge vorn Typ C-130 der U.S.-Air Force flogen ausgeruhte Truppen an die Bukawu-Front.

Vom US-Geheimdienst finanzierte Exil-Kubaner jagten mit vier Düsenjägern im Tiefflug über die Stellungen der Bukawu-Verteidiger, warfen Bomben und schossen mit Bordkanonen.

Die »Western International Ground Maitenance Organisation«, eine in Liechtenstein ansässige und von der CIA unterhaltene Gesellschaft, machte

* Mit Ehefrau Marie Antoinette. die Kongo-Flugzeuge für den Einsatz gegen Söldner und Rebellen startklar.

140 Stunden lag die schwarz-weiße Mannschaft der Obersten Schramme und Monga ununterbrochen unter Feuer. Über 700 Kongolesen und fünf Söldner fielen. Am Morgen des fünften November, als Schrammes Soldaten keine Munition mehr hatten, entschlossen sie sich zum Rückzug.

Ein Entlastungsangriff des Schramme-Freundes und Söldner-Führers Robert Denard kam zu spät. Nach einem Vorstoß zog sich Denard nach Portugiesisch-Angola zurück, Schramme flüchtete mit seinem Heer über die Ruzizi-Brücke nach Ruanda.

Von 600 farbigen Ruanda-Soldaten umstellt, warten die Flüchtlinge in einer Teefabrik auf die Zukunft. Die weißen Söldner sollen mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes in ihre Heimat geflogen werden.

Die gleichfalls internierten schwarzen Gendarmen sollen in Sambia siedeln, dahin aber wollen sie nicht. Oberst Monga, einst Tshombés Privatsekretär: »Dort schneidet man uns die Kehle durch.«

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