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BALKAN Brüderliche Hilfe

aus DER SPIEGEL 19/2007

Ferngesteuerte Bewegungen nationaler Minderheiten in Griechenland und Albanien stören die Gespräche über die Zukunft des Kosovo und befeuern die Serben in ihrem Widerstand gegen dessen Unabhängigkeit. Der Bürgermeister der südalbanischen Stadt Himarë, Vasil Bollano, forderte jetzt demonstrativ die Eigenständigkeit der überwiegend von der griechischen Minderheit bewohnten Region: Er verlange »dasselbe Recht wie die Albaner des Kosovo«. Zwölf Prozent der etwa 3,1 Millionen Albaner sollen nach Berechnungen aus Athen griechischer Herkunft sein, Tirana beziffert den Anteil dagegen lediglich auf etwa zwei Prozent. Experten in Tirana sehen in der Aktion eher eine Form brüderlicher Unterstützung der Griechen für die ihnen eng verbundenen Serben. Kurz vor der Entscheidung über den endgültigen Status des Kosovo wolle Athen offenbar die These des Westens widerlegen, eine Unabhängigkeit des Kosovo stelle keinen Präzedenzfall für andere Sezessionsforderungen dar.

Die Antwort kam prompt. Eine paramilitärische »Befreiungsarmee Chameria-OVC« drohte auf der Web-Seite Dervina.com, die mehrheitlich von Albanern besiedelte nordgriechische Region Epirus mit Gewalt zu »befreien«. In griechischen Medien wurde eine scharfe Reaktion Athens gefordert. Die Propaganda wird in Griechenland nicht auf die leichte Schulter genommen. Schon während des Konflikts in Mazedonien hatte sich eine andere aus Albanien agierende Befreiungsarmee zu Wort gemeldet. Erst nach massiven Drohungen aus den USA stellte sie ihre Unterstützung für die dortigen Albaner ein.

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