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»Brutaler als Biafra und Bangladesch«

aus DER SPIEGEL 15/1972

Aus dem Rebellen-Hauptquartier Owing-ki-bul ("Hört die Trommeln") im Südsudan tönten Auf rufe zur Waffenruhe; Buschkrieger entfernten Minen, die sie selbst gelegt hatten: Die schwarze Süd-Bevölkerung empfing Generalmajor Numeiri, den braunen Präsidenten aus dem Norden, mit Friedenstauben und Opferrindern.

Numeiri umarmte Süd-Bürger und ließ gefangene Rebellen frei. Zu einer Konferenz über den Wiederaufbau des Landes bat der General internationale Hilfsorganisationen in die Hauptstadt Khartum -- auch solche, die bislang die Rebellen unterstützt hatten.

In Afrikas flächengrößtem Land scheint ein Sezessionskrieg zu Ende zu gehen, der rund eine halbe Million Menschenleben forderte und »Biafra und Bangladesch ... an Bitterkeit, Brutalität und Bigotterie übertraf« ("The New York Times").

17 Jahre lang hatten die schwarzen Stämme des Südsudan rebelliert, denn sie fühlten sich vom arabisch-islamischen Staatsvolk des Nordens hoffnungslos majorisiert und unterdrückt. Dann brachte Äthiopiens Haile Selassie die verfeindeten Sudanesen an den Verhandlungstisch. In Addis Abeba unterzeichneten sie vorige Woche einen Friedensvertrag:

Die (nach einem Schlangengift benannte) südliche Anya-Nya-Bewegung stoppt ihren Kampf für einen separaten Staat. Khartum garantiert dafür dem Süden weitgehende Autonomie: einen Präsidenten, Verwaltungs- und Steuerhoheit, eine eigene Polizei. Anya-Nya-Kämpfer sollen in die Armee integriert werden.

Doch der Friede im Sudan ist brüchig. Hunderttausende in den Busch oder ins Ausland geflohene Südsudanesen fürchten die Nord-Truppen noch immer als »wilde Tiere« (Rebellen-Chef Joseph Lagu). Und im Süden und im Norden werfen Fallken ihren friedensbereiten Führern »Kapitulation« vor.

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