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VERLAGE Bücher für die Landser

aus DER SPIEGEL 3/2000

Der Mediengigant Bertelsmann setzt sich mit seiner Vergangenheit in der Nazi-Zeit auseinander. Die Ende 1998 eingesetzte Kommission unabhängiger Historiker unter Leitung des renommierten NS-Forschers Saul Friedländer legt diese Woche einen ersten Zwischenbericht vor, der die bisherige Selbstdarstellung des Verlags korrigiert. Tatsächlich habe Bertelsmann, so der Report, bereits ab 1935 den Schwerpunkt von konfessioneller Erbauungsliteratur auf so genannte »Kriegserlebnisbücher« verlagert und ab 1939 auf NS-taugliche Belletristik für das »Wehrmachtsgeschäft"gesetzt. Schon 1941 habe der Verlag mit billigen Massenausgaben für deutsche Landser 93 Prozent des Umsatzes bestritten; zu den Werken gehörten Heimatromane, aber auch NS-Schundhefte ("Mit Bomben und MGs über Polen"). Der Gewinn sei von 284 000 Reichsmark (1938) auf knapp 3,3 Millionen (1941) gestiegen. Mehr als ein Viertel des Buchbedarfs der Wehrmacht habe der Marktführer aus Gütersloh geliefert; der Zentralverlag der NSDAP sei mit knapp 12 Millionen Exemplaren gegenüber Bertelsmann (über 20 Millionen) weit abgefallen.

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