Gibt es eine rechtsradikale "Schattenarmee" in der Bundeswehr?

Die Regierung soll das jetzt herausfinden
Foto: dpa/Ralf Hirschberger; Montage: bento

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2018 auf bento.de veröffentlicht.

In der Bundeswehr soll es geheime rechtsradikale Netzwerke geben, gar eine eigene "Schattenarmee". Was klingt wie eine Verschwörungstheorie sind Vorwürfe, die Recherchen der "taz"  und des "Focus"  unabhängig voneinander vergangene Woche ans Licht gebracht haben. Die rechten Soldaten sollen demnach an einem Umsturz gearbeitet haben.

Nun hat der Verteidigungsausschuss des Bundestags getagt – um herauszufinden, was an der "Schattenarmee" dran ist.

1 Das sagen die Recherchen der Journalisten:

  • Innerhalb der Bundeswehr soll es ein Netzwerk rechtsextremer Soldaten geben. Diese sind gut miteinander verknüpft, haben auch Kontakte zu Polizei und Geheimdiensten.
  • Im Zentrum soll der Rechtsterrorist André S. stehen, der sich selbst "Hannibal" nennt. 
  • "Hannibals" Plan: mit anderen Rechtsterroristen ausgewählte Menschen an "Tag X" in Deutschland angreifen, internieren und/oder umbringen. 
  • Der Soldat war beim Kommando Spezialkräfte (KSK), der Elitetruppe der Bundeswehr, vom Geheimdienst soll er vertrauliche Interna bekommen haben.
Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

2 Das sagt die Bundeswehr:

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) – der Bundeswehr-interne Geheimdienst – hat nach eigenen Angaben bislang keine Erkenntnisse über gewaltbereite extremistische Netzwerke in der Bundeswehr. Der Chef des Nachrichtendienstes der Bundeswehr, Christof Gramm, hatte erklärt: 

Politisch motivierte Gewaltbereitschaft spielt in der Bundeswehr keine Rolle.

MAD-Chef Christof Gramm

3 Das fordern jetzt Politikerinnen und Politiker:

Dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für Klarheit sorgt – und auch den Bundeswehr-internen Geheimdienst MAD mit einbezieht.

Vor allem die Grünen-Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger und die Linken-Politikerin Christine Buchholz machten sich für eine Untersuchung stark. Buchholz sagte, die Gefahr werde systematisch bagatellisiert. Es lägen "konkrete Hinweise auf ein mutmaßliches, rechtsradikales Netzwerk vor, das Waffen gehortet und sich auf schwere Gewalttaten für einen 'Tag X' vorbereitet hat".

Warum ist das wichtig?

Noch ist unklar, wie genau die "Schattenarmee" in der Bundeswehr aussieht, ob sie gut organisiert ist – oder ob es nur ein Hirngespinst einiger Soldaten ist. Ernst nehmen sollte die Regierung die Recherchen allemal. 

  • Vor Jahren hatten die Geheimdienste das Erstarken des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verschlafen, zehn Menschen wurden von den Rechtsterroristen umgebracht. 
  • Und erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der rechtsextreme Bundeswehrsoldat Franco A. aus der Kaserne heraus einen Anschlag geplant hatte. Auch er war niemandem aufgefallen.

Mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.