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Briefe

BURGFRIEDEN E.V.
aus DER SPIEGEL 1/1960

BURGFRIEDEN E.V.

Ich bin ein wenig enttäuscht, daß gerade der SPIEGEL sich die negative Haltung des Stuttgarter Leitartiklers Wocker zu eigen macht. Vieles in dem Bericht ist schlechthin falsch, so gleich die erste Behauptung, die Bonner Politik ziele jetzt nicht mehr darauf ab, »Ulbricht den Boden zu entziehen« - also den Deutschen zwischen Elbe und Oder das Selbstbestimmungsrecht zu geben -, sondern »nur noch die Besserstellung der dortigen Menschen« zu erreichen. Ebenso unrichtig ist die Meinung, Bonn stelle neuerdings das Schicksal dieser Menschen stärker in den Vordergrund als die eigentliche Wiedervereinigung; eine solche spitzfindige Unterscheidung mag gewisse propagandistische Akzente treffen, niemals aber die entscheidende Richtung der Politik. Ganz abwegig erscheint mir aber vor allem der schon in der Überschrift des Berichtes unternommene Versuch, die Tagung des Kuratoriums dadurch herabzusetzen, daß man höhnisch auf die Anwesenheit eines Hohenzollernprinzen und auf die Beteiligung farbentragender Studenten hinweist. Wird dadurch eine im übrigen so großartig verlaufene Tagung wirklich entwertet, daß man diese Teilnahme als unwillkommen ansieht? Und sind diese Teilnehmer wirklich unwillkommen? Wollen wir uns nicht alle freuen, wenn die Couleurstudenten, statt Kneipe und Paukboden zu bevölkern, an Beratungen über das Schicksal unseres Volkes teilnehmen oder wenn ein

Mitglied des ehemaligen Herrscherhauses, übrigens in bemerkenswerter Bescheidenheit und Zurückhaltung und ohne von der Tagungsleitung begrüßt zu werden, aufmerksam zuhört?

Ganz besonders bedaure ich endlich, daß sich der Bericht gegen den Versuch wendet, die Wiedervereinigungspolitik dem Parteienstreit zu entziehen; der Berichterstatter bringt es in diesem Zusammenhang geradezu fertig, den »parteifreien Raum« als »berüchtigt« zu bezeichnen. Ist das wirklich der Standpunkt des SPIEGEL? Um Gottes willen, wollen wir nicht im Gegenteil glücklich und dankbar sein, wenn es Veranstaltungen gibt, in denen Ollenhauer und Lemmer, von Hassel und Brandt, von Knoeringen und Friedensburg die Lebensfragen unseres Volkes im gemeinsamen Bemühen beraten? Haben wir nicht alle den Eindruck, daß die parteipolitische Rechthaberei, die die letzte außenpolitische Debatte des Bundestages gekennzeichnet hat, skeptische Äußerungen des Auslandes zur Wiedervereinigungsfrage, etwa bei Herrn Nehru, geradezu provoziert? Der SPIEGEL, der uns in der Wiedervereinigungsfrage durch positive Anregungen und auch durch Kritik an den Gegnern so vielfach unterstützt, hat dieser Sache mit dem Abdruck des Berichtes keinen guten Dienst erwiesen ...

Bonn PROF. DR. DR. H.C.F. FRIEDENSBURG

MdB

Nach den Vertriebenen, die Ihnen böse Briefe zu Oberländer schrieben, werden sich jetzt sicher die Angehörigen der »Bundesmädelführung der Jugend des deutschen Ostens«, der alten Sängerschaften, der Klein- und Schrebergärtner und des Kyffhäuserbundes - ob »im Ruhestand« oder »außer Dienst« - melden und Ihnen schwören, wie sehr sie sich für die Wiedervereinigung einsetzen und daß sie doch die »gesamtdeutsche Repräsentanz« darstellen, - was Herr Wocker nicht glauben wollte.

Alsdann, Kameraden: Laßt uns sein ein einig Volk von - Schrebergärtnern!

Essen HANS-JÜRGEN BRANDTS

Was mich als den Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Kleingärtner e.V. interessiert, ist die Tatsache, daß Herr Wocker unseren Verband der »Ortsvereinigung alter Sängerschaften«, der »Bundesmädelführung der Jugend des deutschen Ostens«, dem »Kyffhäuserbund« und Teilnehmern »im Ruhestand« und »zur Wiederverwendung« sowie der Deutschen Schreber-Jugend gleichsetzt, wobei ihm unterlaufen ist, daß die Deutsche Schreber-Jugend ebenfalls ein Bestandteil des »Verbandes Deutscher Kleingärtner« ist. Darin liegt offenbar auch eine gewollte Herabsetzung der Bestrebungen der deutschen Kleingärtner.

Der »Verband Deutscher Kleingärtner« ist eine Bundesorganisation mit zur Zeit 520 000 Mitgliedern. Diesem Verband sind angeschlossen 165 000 Bundesbahn-Kleingärtner. Ungefähr die gleiche Anzahl von Kleingärtnern dürfte es auch in der Ostzone geben, also insgesamt rund eineinhalb Millionen Kleingärtner mit ihren Familienangehörigen. Dem Artikelschreiber dürfte weiter nicht bekannt sein, daß die deutschen Kleingärtner sich führend im internationalen Verband der Kleingärtner betätigen, und hatte der deutsche Verband der Kleingärtner den ehrenvollen Auftrag, im September dieses Jahres einen internationalen Kongreß in Dortmund durchzuführen, der höchste Beachtung in der ganzen Welt gefunden hat. Auch hier wurde seitens der teilnehmenden Verbände der Wiedervereinigung und dem Weltfrieden das Wort geredet. Diese Dinge sind offenbar dem jungen Journalisten gar nicht bekannt, denn sonst würde er sich nicht die Bemerkung erlauben, daß die Wiedervereinigung nicht aus den Schrebergärten kommt.

Hamburg 1 P. BRANDO

Verband Deutscher Kleingärtner e.V.

1. Vorsitzender

Ist es zu verantworten, die Verdienste der Männer, die das Zusammenstehen aller Parteien in diesem Kuratorium ermöglicht haben, mit dummen Witzen zu honorieren?

Wangen (Bodensee) FRANZ SCHÜRHOLZ

Die Parteien könnten im Bundestag »zusammenstehen«, wenn es ihnen mit diesem Zusammenstehen ernst wäre. - Red.

CDU-MdB

Friedensburg

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