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Castro-Agenten nach Europa?

aus DER SPIEGEL 22/1976

Eine südamerikanische »Europa-Brigade« soll nach einem Bericht des Bundesnachrichtendienstes (BND) künftig die kommunistischen Parteien Westeuropas wieder auf Vordermann bringen.

Auf einem Geheimkongreß der argentinischen KP, so der BND an das Kanzleramt, sei im Februar die Losung ausgegeben worden: »Wir müssen den europäischen Parteien und Befreiungsbewegungen helfen.« Die kommunistischen Parteien in Europa stünden »stark unter bürgerlichem Einfluß«. Daher sei es notwendig, »das Proletariat aufzurütteln und zum Handeln zu bewegen«. Für die »Europa-Brigade' sollen laut BND 1500 bis 2000 Revolutionäre in Südamerika, vor allem in Fidel Castros Kuba, angeworben werden. Die Rekrutierung der Bewerber obliege dem stellvertretenden kubanischen Ministerpräsidenten Carlos Rafael Rodriguez.

Nach den BND-Erkenntnissen werden die lateinamerikanischen Hilfstruppen nicht mit Waffen ausgerüstet, sondern für »Infiltrierung, Agitation und organisatorische Tätigkeiten« eingesetzt. Der westdeutsche Geheimdienst wörtlich: »Die Angehörigen der Brigade sollen über Luxemburg oder Paris -- in Zusammenarbeit mit den bei den dortigen Sowjet-Botschaften arbeitenden KGB-Agenten -- in die europäischen Länder geschleust werden. Die in der Regel als politische Flüchtlinge oder Verfolgte getarnten Brigade-Angehörigen sollen schwerpunktmäßig in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland mit ihrer subversiven Tätigkeit beginnen.« Das für die Terroristen-Bekämpfung zuständige Bundeskriminalamt (BKA) über den BND-Bericht: »Der Inhalt der Meldung dürfte zutreffen. Die Angaben über die Größe der 'Europa-Brigade' werden, weil unbestätigt, mit Vorbehalt weitergegeben.«

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