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KUBA Castros letzter Sieg

aus DER SPIEGEL 6/2007

Rund sechs Monate nach der Erkrankung des kubanischen Präsidenten Fidel Castro steht die Kuba- und Lateinamerika-Politik der US-Regierung vor einem Fiasko. Experten werfen Washington eine grobe Fehleinschätzung der Lage vor: Washington habe Hunderte Millionen Dollar für einen politischen »Übergang« zur Demokratie offensichtlich umsonst ausgegeben, kritisierte Phil Peters von dem US-Think-Tank Lexington Institute. Tatsächlich jedoch gebe es »keinerlei Anzeichen für Unruhen innerhalb der Regierung oder der Gesellschaft, keinen Wirtschaftseinbruch, die Regierung funktioniert normal«. Die Kuba-Expertin Julia Sweig wertet die Übergabe der Amtsgeschäfte an Fidels Bruder Raúl als »Castros letzten Sieg«.

Washingtons Nachrufe scheinen zudem voreilig: In einem jetzt veröffentlichten Video erscheint der »Máximo Líder« in stabiler Verfassung. Wichtige Staatsangelegenheiten erledigt er offenbar vom Krankenzimmer aus. Die Aufnahmen, die während eines Besuchs des venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez entstanden, sollen außerdem signalisieren, dass es keinen Machtkampf gibt: Neben Chávez sind Außenminister Felipe Pérez Roque und Vize-Präsident Carlos Lage zu sehen, die zu Castros engstem Führungszirkel zählen. Auch gegenüber Chávez, der sich als ideologischer Erbe des kubanischen Revolutionsführer sieht, scheint Washington machtlos. Nach den Wahlsiegen von Linkspopulisten in Ecuador und Nicaragua ist Venezuelas Einfluss in der Region noch gewachsen und Chávez auf direkten Konfrontationskurs mit Washington gegangen. Ende voriger Woche kündigte der Staatschef die Verstaatlichung der Ölförderung im Orinocobecken an. Einer der Hauptbetroffenen ist der US-Konzern Exxon.

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