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Briefe

CHARLOTTENBURGER GYMNASIUM
aus DER SPIEGEL 42/1956

CHARLOTTENBURGER GYMNASIUM

Wenn sich Elternschaft und Lehrerkollegium einmütig oder mit großer Mehrheit gegen die Umbenennung des »Charlottenburger Gymnasiums« in »Erich-Hoepner -Gymnasium« aussprechen, so gibt es in einem demokratischen Staat gar keinen Grund, diesen Willen nicht zu respektieren. Demokratie heißt Volksherrschaft und nicht Volksvertreterherrschaft! Die Abgeordneten sind gewählt, den Willen des Volkes auszuführen, nicht, ihn zu mißachten! Wie lange wird es in Deutschland wohl noch dauern, bis wir auch unsere Politiker zu Demokraten erzogen haben?

Goslar HEINRICH BERG

Wie ist es zu erklären, daß bei der Umbenennung einer Schule, die die Tradition des früheren Mommsen-Gymnasiums und des früheren Kaiserin Auguste-Victoria -Gymnasiums fortführen soll, ausgerechnet der Name »Mommsen« verschwinden muß? Professor Mommsen war doch ein Gelehrter von Weltruf, dem viele Ehrungen zuteil wurden. So auch die Benennung einer Schule nach seinem Namen.

Berlin W. SCHÖNHERR

Wenngleich es möglich ist, daß ich als Sohn meines am 8. September 1944 hingerichteten Vaters für befangen erklärt werde, muß ich gegen die Auffassung des Herrn Schuldirektors Rudolphi Stellung nehmen. Ohne ihm als Opfer des Faschismus oder als Historiker nahetreten zu wollen, möchte ich folgendes feststellen:

Wenn auch hinsichtlich der Beweggründe Unterschiede zwischen den Teilnehmern bestanden haben, so ist es mir unverständlich, wie Herr Rudolphi Herrn Generaloberst Hoepner in einem Atemzug mit dem Grafen Helldorf nennen kann. Es fehlte nur noch der Vergleich mit Herrn John.

Feststeht, und das ist sogar bilddokumentarisch belegt, daß Hoepner zu dem entscheidenden Verhör mit sichtbaren Spuren von Mißhandlungen vor dem Gericht erschien. Seine Äußerungen und sein Auftreten vor Gericht auf die Goldwaage zu legen und danach den Grad der Würdigkeit festzusetzen, ist ein Unding. Selbst ein Mommsen würde die unter Foltern und Qualen in den Hexenprozessen des Mittelalters erpreßten Geständnisse nicht dazu benutzen, Rückschlüsse auf die Gesinnung und Haltung der Gefolterten zu ziehen.

Bremen-Horn G. LEJEUNE-JUNG

Herrn Studienrat Bunk ("Für mich ist Hoepner genau dasselbe wie Schörner") sei lediglich ins Gedächtnis gerufen, daß Generaloberst Hoepner einer der wenigen Heerführer überhaupt war, der ausdrücklichen, ihm irrsinnig erscheinenden Befehlen des Obersten Hauptquartiers entgegenhandelte (Moskau 1941) - ähnlich wie zum Beispiel der Franzose Galièni oder der Amerikaner Patton. Dabei wäre nur zu erwähnen, daß sich Hoepner über die Folgen seiner Handlungsweise, die andere sein mußten als etwa die der Eigenmächtigkeit Yorcks 1812 (Konvention von Tauroggen) oder als die Folgen, die die erwähnten Ausländer in Rechnung zu stellen hatten, sicherlich im klaren war. Ähnliche Zivilcourage dürfte dem Feldmarschall Schörner doch wohl kaum zuzusprechen sein.

Köln DR. OSWALD HAHN

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