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Hongkong Cholera in der Hyper-Stadt

aus DER SPIEGEL 31/1994

Hongkong, die Metropole der Wolkenkratzer und Hyper-Reichen, bezahlt den wirtschaftlichen Boom mit einem hohen Preis: Die Umwelt der Kronkolonie fängt an zu entgleisen. Jüngstes Indiz ist ein Ausbruch von Cholera, der bisher ein Menschenleben forderte; 22 Hongkong-Chinesen erkrankten an dem Tropenleiden. Alle hatten Fische gegessen, die in Tanks mit Meerwasser gehalten worden waren. Die Gewässer und der Hafen sind mit Viren und Bakterien so sehr verseucht, daß die Hong Kong Medical Association Vergleiche mit »London und Hamburg im 19. Jahrhundert« zieht. In der Metropole (Einwohnerzahl: sechs Millionen) gibt es keine Kläranlage, zwei Millionen Kubikmeter Abwässer pro Tag fließen unbehandelt ins Meer. Hinzu kommen 26 Millionen Kubikmeter Giftschlamm, die beim Bau des neuen Großflughafens anfallen. Bis zur Übergabe der Kronkolonie an China in knapp drei Jahren soll die Verschmutzung des Meeres nur notdürftig bekämpft werden: Die Abwässer will die Stadtverwaltung durch eine Pipeline ins Südchinesische Meer pumpen. Der Bau einer biologischen Kläranlage ist Hongkong - Bruttosozialprodukt: 94 Milliarden Dollar - zu teuer.

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