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PERSONALIEN Christiaan Barnard, Kai-Uwe von Hassel, Beate Klarsfeld, Beate Klarsfeld, Grigorios Lambrakis, Beate Klarsfeld, Willy Brandt, Horst Mahler

aus DER SPIEGEL 29/1969

Christiaan Barnard, 46, von Zeitungen und Bilderblättern in Amerika, Frankreich, Italien und Deutschland zum »Mann des Jahres« gekürter Herzchirurg, verhinderte die Veröffentlichung seines Photos in einer Kapstädter Lokalzeitung. Als ein Bildreporter den von »Liebesferien« ("Constanze") mit der südafrikanischen Millionärstochter Barbara Zoellner aus Ischia zurückgekehrten Arzt beim Verlassen des Kapstädter Prominentenlokais »La Perla« zusammen mit der Engländerin Janice Brand, 20, photographierte, herrschte Barnard den Journalisten an: »Das können Sie nicht machen nach allem, was ich für dieses Land getan habe.« Anschließend rief Barnard, dessen Scheidung von Ehefrau Louwtjie, 45, am 30. Juli rechtskräftig wird, den Nachtdienstredakteur der Zeitung an und verlangte, das Bild nicht zu veröffentlichen. Das Photo erschien in keiner Kapstädter Zeitung.

Kai-Uwe von Hassel, 56, Bundestagspräsident, lobte Montag vergangener Woche auf einer CDU- Wahlversammlung im Kurhaus zu Hamm (Westfalen) Fleiß und Vielseitigkeit der deutschen Parlamentarier: »Wenn die Abgeordneten während der Bundestagsdebatten Zeitungen lesen, so tun sie das nur wegen des unerhörten Arbeitspensums, das sie in Bonn zu bewältigen haben. Ein Parlamentarier ist aus Zeitmangel gezwungen, zwei Dinge auf einmal zu tun: Er muß gleichzeitig dem Redner zuhören und sich durch Lektüre vieler Zeitungen umfassend informieren.

Beate Klarsfeld, 30, Apo-Aktivistin, wartet auf eine Medaille aus Ost-Berlin. Auf der 20. Jubiläumslagung des kommunistischen Weltfriedensrates in der DDR-Hauptstadt war der Deutsch-Französin, die im November vergangenen Jahres auf dem CDU-Parteitag in West-Berlin Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte, »als Anerkennung für ihre mutige Tat« die Lambrakis-Medaille zugesprochen worden. Beate Klarsfeld, die von der Auszeichnung erst »durch meinen Mann und aus Zeitungen« erfahren hatte, fühlt sich durch die Verleihung der nach dem 1963 ermordeten linksextremen griechischen Parlamentsabgeordneten Grigorios Lambrakis benannten Medaille »sehr geehrt«, weiß aber noch nicht, wann, wo und wie der Orden überreicht werden soll. Beate Klarsfeld über die Auszeichnung: »Das zeigt doch, daß eine Ohrfeige inzwischen eine anerkannte und legale Aktion im Kampf gegen den Faschismus ist.«

Walter Emmerich, 38, CDU-Lokalpolitiker in Essen und Geschäftsführer des Düsseldorfer Hauptverbandes der Schuhindustrie, machte »ein bißchen in Opposition« (Emmerich) gegen seine Partei. Für seinen Schuh-Dienstwagen (Typ: Mercedes 230) ließ sich der Christdemokrat ein politisches Kennzeichen geben: D-DR 100. Emmerich: »Wenn die Bundesregierung die DDR schon nicht anerkennt, so will ich sie doch respektieren.«

Willy Brandt, 55, Vizekanzler, wurde von einer schwedischen Unterhaltungskapelle mit alter deutscher Militärmusik geehrt. Als der SPD-Chef vergangene Woche das Restaurant des Stockholmer »Grand-Hotel« betrat, unterbrach die Band ihre Dinner-Musik und intonierte den kaiserlichen Marine-Marsch »Stolz weht die Flagge Schwarz-Weiß-Rot«. Daraus schloß der Außenminister: »Die wissen, daß ich aus Lübeck komme, und meinen, das sei ein Seemannslied. Ist es ja auch.« Hans Giese, 49, Hamburger Sexual-Professor, ließ sich durch eine »eigens dafür eingesetzte« Kommission seiner Fakultät von dem Vorwurf reinigen, er sei ein »Kolle II« oder »Grzimek der Sexologie« (SPIEGEL 4711968). Dieser Vorwurf »besteht in der Tat zu Unrecht«, erklärte der Forscher -- gelegentlicher Mitarbeiter bei Zeitschriften, Herausgeber einer sexualkundlichen Fachbuchreihe sowie Berater bei den Aufklärungsfilmen »Du« und »Das Wunder der Liebe« -- in einem Interview mit der Zeitschrift »Der Medizinstudent«. Über sein Verhältnis zur Presse meinte der Professor, man müsse »dabei allerdings ähnlich wie beim Umgang mit Prostituierten oder Zuhältern eine gewisse Vorsicht walten lassen«. Auf die Frage »Wie viele große und kleine Giese gibt es noch auf der Welt?« reihte sich der Vorsichtige unter die Großen: »Führende Sexualforscher etwa zehn, junge etwa 50.« Horst Mahler, 33, Apo-Anwalt, lieferte der West-Berliner Polizei Fahnen-Flüchtlinge aus. Rudolf Maschewski, 19 (2. v. l.), und Heinz Zirk, 22 (3. v. l.), waren von der Bundesrepublik in die »Kommune 1« von Rainer Langhans in Berlin-Moabit, Stephanstraße 60, übergesiedelt und wollten sich nun auf dem nahe der »Kommunefabrik« gelegenen Polizeirevier 26/27 ins Melderegister eintragen. Nachdem Mahler die Meldeprozedur in einer Pressekonferenz angekündigt hatte, zogen Maschewski und Zirk Gefreiten- und Leutnantsuniformen über, die sie beim Kostümverleih »Neue Theaterkunst GmbH.« geborgt hatten. Auf der Wache lag gegen Zirk erwartungsgemäß ein Haftbefehl aus Würzburg (Aktenzeichen 3 js 1903/68) vor. Maschewski wurde von der Kripo ersatzweise wegen unerlaubten Uniformtragens vorläufig festgenommen. In Berlin, wo nach alliiertem Besatzungsrecht das Wehrpflichtgesetz der Bundesrepublik nicht gilt, haben die Deserteure nun eine neue Anschrift: Untersuchungshaftanstalt Moabit.

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