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PERSONALIEN Clarisse Gillis, Karl Günther von Hase, Ernst Benda, Lauritz Lauritzen, Franz-Josef Strauß, Ferry Porsche, Eugen Gerstenmaier

aus DER SPIEGEL 11/1969

Clarisse Gillis, 22, Entkleidungskünstlerin aus dem Pariser »Crazy Horse Saloon«, zeigt am 18. März im ZDF den ersten für eine deutsche Fernsehschau vorgeführten Striptease. Carlheinz Hollmann, neuer Gastgeber der TV-Show »Nightclub«, befragte die unter dem Künstlernamen »Candy Capitol« auftretende Pariserin während der Aufnahmen nach ihren Zukunftsvorstellungen. Die Striptesse erklärte, sie wolle Doktor der Philosophie werden und zeigte dann eine für das deutsche Fernsehen entschärfte Parodie auf Striptease, mit der auch der bei den Aufnahmen anwesende ZDF-Intendant Holzamer einverstanden war.« Nightclub«-Neuling Hollmann über die Programm-Bereicherung: Ich will um Gottes willen nicht sagen, daß der Striptease mein Entree ist.« Karl-Günther von Hase, 51, Zweiter im Verteidigungsministerium, wurde Bonns schnellster Staatssekretär. In einem »Starfighter« -Trainer flog von Hase nach eingehender flugmedizinischer Untersuchung in Fürstenfeldbruck vom Luftwaffenstützpunkt Nörvenich (bei Köln) aus 30 Minuten lang mit doppelter Schallgeschwindigkeit über Süddeutschland und bekam dafür die Mach-2-Nadel. Der Staatssekretär über den Grund für seinen Flug: »Verflixt noch mal, man redet immer soviel über die Luftwaffe und entscheidet da und dort was. Da muß ich auch mal geflogen sein.« Von Hase: »Die 2397 Stundenkilometer habe ich nicht gespürt. Und im übrigen sollte das keine Mutprobe sein, sondern ich wollte einfach eine Waffengattung besser kennenlernen.«

Ernst Benda, 44, Bonner Innenminister, wurde vor einer Fernsehdiskussion ("Journalisten fragen -- Politiker antworten") mit Franz-Josef Strauß, Karl Schiller und FDP-Chef Walter Scheel von Gesprächsleiter Reinhard Appel gefragt, wo er während der Sendung sitzen wolle. Benda: »Ach, das ist mir egal. Da Herr Schiller hier ist, komme ich ja sowieso nicht zu Wort.«

Lauritz Lauritzen, 59, Bundeswohnungsbauminister, fertigte Oldenburger Architekten einen Wandschmuck. Während eines Besuchs auf der Ostsee-Insel Fehmarn erzählte der Architekt Richard Henneberg dem Minister, er habe zusammen mit sechs Kollegen die »Arbeitsgruppe Bauleitplanung« in

Oldenburg (Holstein) zur Beratung von Gemeinden gegründet. In den noch kahlen

Büroräumen werde sich ein Autogramm Lauritzens an der Wand sicher gut machen. Dann reichte Henneberg dem Wohnungsbauminister ein Titelblatt des SPIEGEL 6/1969, der in einer Titelgeschichte über Fehleistungen deutscher Wohnungsbauer berichtet hatte, und bat um Unterzeichnung. Lauritzen schrieb: »Auf den Architekten«, überlegte kurz und korrigierte dann in »Auf denn. Architekten.«

Franz-Josef Strauß, 53, Finanzminister (CSU), wurde von Parteifreunden gerügt, die Bundesregierung leiste zu bereitwillig Devisenausgleichs-Zahlungen an die Verbündeten und bemühe sich allzusehr, mit jedermann gut Freund zu sein. Der Minister: »Wir werden eben niemals everybody's Darling sein, sondern eher noch everybody's Armleuchter werden.«

Ferry Porsche, 59, Chef der kleinsten deutschen Automobilfabrik, will im Rennsport der Größte werden. Er präsentiert in dieser Woche auf dem Autosalon zu Genf den größten, stärksten und schnellsten Rennsportwagen« der je aus den Stuttgart-Zuffenhausener Werkshallen rollte. Name: Porsche 917; Motor: Zwölfzylinder-Boxermotor mit Luftkühlung und Benzineinspritzung, 4,5 Liter Hubraum und 550 PS Leistung; Höchstgeschwindigkeit: 350 Stundenkilometer. Porsche will mit ihm alle bedeutenden Sportwagenrennen und die Marken-Weltmeisterschaft gewinnen. Der Porsche 917 soll in der Serie von 25 Stück gebaut und auch an geeignete Interessenten verkauft werden. Er wird mit einem Preis von rund 150 000 Mark das teuerste Serien-Automobil der Welt sein. Ferry Porsches Haus-Slogan: »Mit vollen Hosen ist gut stinken.«

Eugen Gerstenmaier, 62, Professor der Theologie, ließ seinen auf dem Wiedergutmachungsweg erworbenen akademischen Titel auf das Türschild seiner Abgeordneten-Suite im neuen Parlamentarierhaus in Bonn schreiben. Vor der Öffentlichkeit will der Ex-Präsident jedoch den Eingang zu seinem Zwei-Zimmer-Büro abschirmen. Als sich vergangenen Mittwoch ein Pressephotograph in der Empfangshalle des Abgeordnetenhauses nach Gerstenmaiers Räumen erkundigte, erklärte ihm der Portier.« Was, Sie wollen beim Gerstenmaler knipsen? Der hat heute schon ganz früh aus Berlin angerufen und gesagt, daß keine Photographen mehr reingelassen werden sollen.« Der Reporter drang trotzdem in den zehnten Stock vor, wo ihn der Etagendiener beschied: »Hier ist Photographieren verboten.« Vor des Professors Zimmer schließlich raunzte Gerstenmaiers Sekretärin Christa Behrens den beharrlichen Kameramann an: »Na ja, wenn einmal auf jemanden mit Dreck geworfen wird, dann muß wohl auch weitergeworfen werden.« Als die Aufnahmen schließlich doch gemacht waren, klagte der Etagendiener: »Warum muß immer ich so ein Pech haben und an einem Platz sein wo so was mit den hohen Herren passiert.«

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