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Steuer-Affäre Code Golfconsult

aus DER SPIEGEL 6/1996

Die Ermittlungen im Steuerfall Graf werden in den nächsten Tagen abgeschlossen. Nach neuneinhalb Monaten Recherche geht die Steuerfahndung Mannheim-Neckarstadt in ihrem Schlußbericht davon aus, daß rund 41 Millionen Mark zwischen 1989 und 1993 zugunsten von Stefanie Graf am Fiskus vorbeigeschleust wurden.

Den Ermittlungen zufolge floß ein Großteil des Geldes über die Niederländischen Antillen zur Verwaltungs- und Privat-Bank nach Liechtenstein. Über Holland wurde das Geld dann bei europäischen Banken unter Code-Namen wie »Golfconsult« auf Nummernkonten versteckt.

In beschlagnahmten Unterlagen stießen die Fahnder auf weitere Werbeverträge von Stefanie Graf, die in früheren Steuererklärungen nicht aufgetaucht waren. Der Fernsehsender Sat 1 etwa schlägt mit 493 500 Mark zu Buche, der Schmuckhändler FEM Fashion taucht mit 425 000 Mark auf, Dunlop Hongkong mit 3,2 Millionen Mark. Wohin die Dunlop-Millionen geflossen sind, konnte noch nicht sicher geklärt werden.

Die Anklage gegen Peter Graf, 57, und den Steuerfachgehilfen Joachim Eckardt, 48, wird noch bis Ende März auf sich warten lassen. Die Graf-Ermittlerin Bettina Krenz, die mit der Anklage begonnen hatte, ging in Mutterschaft. Ihre Nachfolgerin arbeitet sich noch ein.

Peter Graf, der mittlerweile seit sechs Monaten in U-Haft sitzt, soll von dem Heidelberger Psychiater Michael Schmidt-Degenhard auf seine Schuldfähigkeit untersucht werden. Die Verteidigung Grafs hatte erklärt, bei ihrem Mandanten sei »die Grenze zum Pathologischen erreicht« gewesen.

Nach Aussage des früheren Graf-Beraters Professor Harald Schaumburg, war Grafs Steuerkonstruktion »stümperhaft« angelegt und »sinnlos«. Vor August 1994 sei er bereits »mehrfach« von Peter Graf angesprochen worden, »ob man mit der Steuerfahndung zu rechnen habe«. Schaumburg: »Daraufhin habe ich gesagt, die hätte schon längst da sein müssen.«

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