»Sehr, sehr hoher Impfschutz« Spahn wirbt für Kombination aus AstraZeneca und mRNA-Impfstoff

Erst AstraZeneca, dann Biontech oder Moderna: Diese Empfehlung der Stiko wollen die Bundesländer ab sofort umsetzen. Gesundheitsminister Spahn hofft, dass die Kombinationsmöglichkeit AstraZeneca attraktiver macht.
Gesundheitsminister Jens Spahn: »Je mehr Impfungen im Sommer, desto besser wird der Herbst«

Gesundheitsminister Jens Spahn: »Je mehr Impfungen im Sommer, desto besser wird der Herbst«

Foto: M. Popow / imago images/Metodi Popow

Die Bundesländer wollen ab sofort die Empfehlung der Ständigen Impfkommission umsetzen, nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca als zweite Dosis ein mRNA-Präparat zu verabreichen. Das sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Die Kombination einer Erstimpfung mit AstraZeneca und einer Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna biete einen »sehr, sehr hohen Impfschutz«, sagte Spahn. Die Kombination schütze mindestens genauso gut wie zwei Impfungen mit der Biontech-Vakzine, sagte Spahn. Auch alle anderen zugelassenen Impfstoffe seien allerdings sicher und würden gut schützen.

Abstand kann auf vier Wochen verkürzt werden

Spahn betonte, dass bei der Kombination der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung auf bis zu vier Wochen verkürzt werden könne. Das sei von Vorteil, so könnten sich Impfwillige schnell durch eine vollständige Immunisierung vor der Delta-Variante schützen. Er hoffe, dass die Kombinationsmöglichkeit den Impfstoff von AstraZeneca »attraktiver« mache, in den kommenden Wochen stünden große Lieferungen an, die für Erstimpfungen genutzt werden könnten.

»Je mehr Impfungen im Sommer, desto besser wird der Herbst«, sagte der Minister. Deutschland bekomme in den nächsten Tagen genug mRNA-Impfstoff, um die Empfehlung zügig umsetzen zu können. In einigen Bereichen könne das aber noch ein bisschen dauern.

Stiko passte Impfempfehlung an

Wegen der schnellen Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante in Deutschland hatte die Stiko ihre Impfempfehlung am Donnerstag angepasst. So sollen Menschen, die eine erste Dosis AstraZeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten. Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis solle mindestens vier Wochen betragen.

Die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten – erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff – sei der nach zwei Dosen AstraZeneca »deutlich überlegen«. Fachleute sprechen von einem heterologen Impfschema. Dieses hatte die Stiko bisher nur jüngeren Menschen angeraten, die bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen hatten, bevor dieser Impfstoff nur noch für Impfwillige ab 60 Jahren empfohlen wurde.

Spahn wusste nicht von der Stiko-Empfehlung

Irritiert zeigte sich Spahn darüber, dass er von der Stiko-Empfehlung erst spät erfahren habe. Noch während seiner eigenen Pressekonferenz am Donnerstag habe er von der Veröffentlichung der Entscheidung nichts gewusst. Auch seine Kolleginnen und Kollegen in den Ländern seien nicht informiert gewesen.

Wenn so eine Entscheidung am Nachmittag auf einmal öffentlich werde, entstünden Fragen und Unsicherheit, weil sie Zigtausende Menschen sofort betreffe, sagte Spahn. Man habe daraufhin mit der Stiko gesprochen, die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik müsse besser werden.

slü/AFP