Joachim Sauer über die miese Impfquote »Zum Teil liegt das an einer gewissen Faulheit und Bequemlichkeit der Deutschen«

Angela Merkels Ehemann spricht selten über aktuelle Themen in der Öffentlichkeit. Nun hat er sich in der italienischen Presse zur deutschen Impfquote geäußert.
Joachim Sauer in Turin: »Es ist erstaunlich, dass ein Drittel der Bevölkerung nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt«

Joachim Sauer in Turin: »Es ist erstaunlich, dass ein Drittel der Bevölkerung nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt«

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TINO ROMANO / EPA

Joachim Sauer, Ehemann von Kanzlerin Angela Merkel, hat sich in einem Interview mit der italienischen Zeitung »La Repubblica« über die geringe Impfquote in Deutschland geäußert. »Es ist erstaunlich, dass ein Drittel der Bevölkerung nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt. Zum Teil liegt das an einer gewissen Faulheit und Bequemlichkeit der Deutschen«, sagte Sauer laut der Übersetzung der Tageszeitung »Die Welt«, die das Interview auf Deutsch verbreitete.

Die andere Gruppe seien Menschen, die einer persönlichen Überzeugung folgten. Sie zeigten eine »Art ideologischer Reaktion auf das, was sie für eine Impfdiktatur halten. Dies gilt für alle Bildungsschichten, auch für Akademiker, Ärzte und Wissenschaftler.« In den Vereinigten Staaten sei die Impfquote ähnlich hoch, sagte Sauer weiter. »Aber dort erklärt sich das dadurch, dass es in einigen Staaten Gouverneure gibt, die sich gegen die Impfung ausgesprochen haben.«

»Die Wissenschaft ist wichtig«

Sauer war dem Bericht zufolge nach Turin gereist, um sein Diplom als neues ausländisches Mitglied der Akademie der Wissenschaften entgegenzunehmen. Dort ist er seit Ende Mai ausländisches Mitglied. Er ist Quanten- und Physikochemiker. Mit Merkel ist er seit 1998 verheiratet. Interviews gibt Sauer fast nie.

Im Rest des kurzen Interviews spekuliert Sauer über die höhere Impfquote in Italien, die derzeit bei 74 Prozent liegt. Womöglich liege das an der harten ersten Welle in Italien, sagt Sauer. »Ich erinnere mich an starke Bilder, wie die von den Särgen, die in Kolonnen von Militärlastwagen transportiert wurden.« Vielleicht habe auch das dazu beigetragen, die Menschen zu überzeugen.

Wahrscheinlich, so Sauer weiter, habe es schon immer einige Menschen gegeben, die wissenschaftliche Erkenntnisse abgelehnt hätten. Aber die Einstellung sei noch nie so offensichtlich gewesen wie jetzt. »Die Wissenschaft ist wichtig, und es wäre schön, wenn sich noch mehr junge Menschen ihr widmen würden.«

Deutschland hat in Westeuropa eine der niedrigsten Impfquoten, derzeit liegt sie bei 68 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Ländern wie Malta, Spanien und Dänemark haben sich deutlich mehr Menschen immunisieren lassen. In Portugal liegt die Impfquote derzeit sogar bei knapp 87 Prozent – dort finden sich kaum noch Impfberechtigte, die noch immunisiert werden könnten.

slü
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