Corona-Mutation in Großbritannien EU-Kommission spricht sich gegen pauschale Flugverbote aus

Als Reaktion auf eine Mutation des Coronavirus in Großbritannien kappten mehrere Staaten Reiseverbindungen. Nun plädiert die EU für Lockerung. Die Niederlande wollen den Verkehr bald wieder zulassen – unter einer Bedingung.
Vom Londoner Bahnhof St. Pancras könnte es bald womöglich wieder Verbindungen aufs europäische Festland geben

Vom Londoner Bahnhof St. Pancras könnte es bald womöglich wieder Verbindungen aufs europäische Festland geben

Foto: HANNAH MCKAY / REUTERS

Trotz der neu aufgetretenen Mutation des Coronavirus in Großbritannien ist die EU-Kommission dagegen, Flugverbindungen mit dem Königreich pauschal zu verbieten. Es sei zwar wichtig, zügig vorläufige Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, heißt es in einer Mitteilung  der Behörde. Unerlässliche Reisen aus und nach Großbritannien sowie der Warenverkehr müssten aber weiter möglich sein.

»Flug- und Zugverbote sollten eingestellt werden, da unverzichtbare Reisen sichergestellt und Unterbrechungen der Lieferketten vermieden werden sollten«, so die Kommission. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen solle aber »abgeraten« werden.

Nachdem in Großbritannien zuletzt eine neue Variante des Coronavirus aufgetaucht war, hatten die meisten EU-Staaten bereits in eigener Kompetenz entschieden, Reisen aus und nach Großbritannien weitgehend einzuschränken. Teils wurden die Maßnahmen auch für Südafrika verhängt, wo die Mutation ebenfalls nachgewiesen wurde.

Auch die Bundesregierung hat von diesem Dienstag an weitgehend die Passagierbeförderung aus Großbritannien per Flugzeug, Schiff, Bahn oder Bus nach Deutschland verboten. Dies soll bis zum 6. Januar gelten. Ausgenommen von diesem generellen Beförderungsverbot sind unter anderem reine Frachttransporte, Rückführungen von Flugzeugen, Schiffen und Crews sowie Transporte mit medizinischem Personal oder aus humanitären Gründen.

Verkehrsunternehmen dürfen Menschen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland der Verordnung zufolge ab 1. Januar wieder aus Großbritannien und Südafrika nach Deutschland befördern.

Niederlande wollen Reisesperren wieder aufheben

Frankreich war mit seinen Maßnahmen weitergegangen und hatte seine Grenze auch für den Frachtverkehr geschlossen. Dies widerspricht den Empfehlungen der EU-Kommission deutlich. London und Paris verhandelten über Wege, die Sperre wieder aufzuheben.

Die EU-Kommission betonte, dass noch bis Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember die Regeln der Freizügigkeit für Großbritannien gelten. Deshalb sollten EU-Staaten Briten nicht grundsätzlich die Einreise verbieten.

Staus nahe Folkestone in der Grafschaft Kent

Staus nahe Folkestone in der Grafschaft Kent

Foto: Steve Parsons / AP

Die Niederlande wollen Reisende aus Großbritannien und Südafrika indes bereits in Kürze wieder ins Land lassen. Voraussetzung sei, dass sie ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen könnten, sagte die Ministerin für Transport, Cora van Nieuwenhuizen, dem Sender NOS. Reisende müssten dann noch für zehn Tage in Heimquarantäne.

Ob die Wiederaufnahme der Verbindungen noch vor Weihnachten möglich sei, sagte die Ministerin nicht. Derzeit werde mit Fluggesellschaften und Reedern geklärt, wie die Kontrolle der Tests geregelt werden könnte.

Großbritannien prüft Corona-Tests für Lkw-Fahrer

An den Zufahrten zum Eurotunnel und zum Fährhafen Dover, die Großbritannien mit dem europäischen Festland verbinden, bildeten sich wegen der Sperre auf englischer Seite zuletzt kilometerlange Staus. Hunderte Fernfahrer hingen so fest.

Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, sollen nach Plänen der britischen Regierung gestrandete Lkw-Fahrer bald womöglich auf das Coronavirus getestet werden. Dies sei denkbar, um den Warenverkehr mit Frankreich wieder aufnehmen zu können, sagte die britische Innenministerin Priti Patel.

fek/AFP/dpa
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