Angst vor zweiter Welle Nato-Befehlshaber fordert Zusagen für Corona-Notfallplan

Die Nato drückt beim Notfallplan der Allianz für eine zweite Corona-Welle in Europa aufs Tempo. Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Mitglieder in spätestens zwei Wochen ihre Beiträge für das Hilfspaket melden.
Nato-Hauptquartier in Brüssel

Nato-Hauptquartier in Brüssel

Foto: Julien Mattia / Le Pictorium/ imago/Le Pictorium

Der Nato-Befehlshaber für Europa hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, umgehend ihre Beiträge zur gemeinsamen Bewältigung einer zweiten Corona-Welle zu melden.

Nach SPIEGEL-Informationen versandte der Supreme Allied Commander für Europa am 23. Juni Briefe an alle Mitgliedsnationen. Darin machte General Tod D. Wolters klar, dass alle Partner bis zum 10. Juli militärische Zusagen für den politisch bereits abgesegneten Operationsplan machen sollten. 

Nato-Diplomaten in Brüssel erläuterten, der Notfallplan für die zweite Corona-Welle solle schon bis Ende Juli stehen. Für die Nato, die allein wegen der nötigen Abstimmungen zwischen den 30 Partnernationen recht lang für Entscheidungen braucht, ist das geradezu rekordverdächtig. Laut Diplomaten zeigt das Tempo, wie ernst man im Brüsseler Hauptquartier die Gefahr einer zweiten Welle und die möglichen Folgen für die Nato-Mitgliedstaaten nimmt. 

Die Allianz hatte den Notfallplan im Eiltempo beschlossen, um bei einer möglichen zweiten Corona-Welle im Spätsommer oder Herbst besser als beim Ausbruch im Frühjahr gerüstet zu sein und betroffene Mitgliedstaaten effizienter unterstützen zu können. Beim Ausbruch der Coronakrise im Frühjahr hatte die Allianz sich eingestehen müssen, dass man auf einen nicht militärischen Notfall nicht ausreichend vorbereitet war und die Nato-Maschinerie zu langsam anlief. 

Der Notfallplan soll nun für eine zweite Corona-Welle vorsorgen. So soll Material für Intensivstationen, Beatmungsgeräte und Schutzmasken vorgehalten werden. Zudem ist ein Krisenfonds für den Transport von Material und an Covid-19 erkrankten Patienten vorgesehen. Deutschland hat nach SPIEGEL-Informationen bereits zugesagt, sich zu beteiligen. Derzeit prüft das Wehrressort, was die Bundeswehr an militärischen Fähigkeiten und Ausrüstung für den Nato-Plan bereitstellen kann. 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte den Mitgliedstaaten in den vergangenen Wochen immer wieder ins Gewissen geredet, dass die Coronakrise auch die Nato betrifft. Er sieht mit Sorge, dass Russland und China durch schnell organisierte Hilfstransporte zum Beispiel nach Italien den Eindruck vermittelt hätten, die Nato sei nicht in der Lage, ihren Mitgliedstaaten zu helfen. Den Notfallplan bezeichnete er deswegen als Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der Allianz.

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