»Wir impfen, so viel wir eben können« Impfpriorisierung endet – Hausärzte und Spahn warnen vor zu hohen Erwartungen

Heute endet die Priorisierung für Coronaimpfungen. Die Hausärzte fürchten, dem Ansturm nicht gerecht werden zu können. Auch Gesundheitsminister Spahn mahnt zur Geduld.
Coronaimpfung: »Nicht alle können gleichzeitig am Montag einen Termin bekommen«

Coronaimpfung: »Nicht alle können gleichzeitig am Montag einen Termin bekommen«

Foto: Mareen Fischinger / imago images / Westend61

In Deutschland kann sich ab heute jeder und jede ab zwölf Jahren gegen Corona impfen lassen – zumindest theoretisch. Die Impfpriorisierung ist aufgehoben, doch noch mangelt es weiter an Impfstoff. Spitzenvertreter von Deutschlands Ärztinnen und Ärzten mahnen die Impfwilligen deshalb zur Geduld.

Letztlich sei der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und werde weiterhin zu unzuverlässig geliefert, sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ärztinnen und Ärzte rechnen für den heutigen Montag mit einem Ansturm auf die Praxen. Mit der Aufhebung der Priorisierung und der Ankündigung der Kinder- und Jugendimpfungen werde die Nachfrage noch zunehmen, so Weigeldt. »Wir impfen, so viel wir eben können.«

Enttäuschung und Frust seien durch die wegfallende Priorisierung vorprogrammiert, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der »Rheinischen Post«. Die Situation werde sich noch verschärfen, »da bis Mitte Juni – eventuell sogar bis Ende Juni – zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung stehen werden«.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn wies auf die Knappheit hin. »Nicht alle können gleichzeitig am Montag einen Termin bekommen«, sagte Spahn der »Bild am Sonntag«. »Noch ist nicht genug für alle da.«

DER SPIEGEL

Die Impfkampagne in Deutschland hatte Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. Bevorzugt geimpft wurden unter anderen auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Betriebsärzte impfen nun ebenfalls

Mehr als 45 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfung. Vielerorts dominieren derzeit die Zweitimpfungen, denn erst jede oder jeder Fünfte hat den kompletten Impfschutz.

Viele halten das Ende der Priorisierung auch deshalb für verfrüht, weil noch nicht überall alle Menschen mit hohen Risiken geimpft worden sind.

  • In Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern soll die Priorisierung nach Risikogruppen in Impfzentren deshalb vorerst bestehen bleiben.

  • In Bremen arbeiten die Zentren die Vorranglisten zunächst weiter ab.

  • Im Saarland sollen Menschen der bisherigen Priorisierungsgruppen nach wie vor vorrangig bei Terminen bedacht werden.

  • In den übrigen Ländern endet auch in den Impfzentren die bisherige Impfreihenfolge. In den Arztpraxen fällt die Priorisierung bundesweit generell weg.

Ab heute steigen mehr als 6000 Betriebsärztinnen und -ärzte in die Impfkampagne ein. Sie erhalten in der ersten Woche dafür 702.000 Impfstoffdosen, insgesamt sollen gut 6,6 Millionen Dosen in dieser Woche geliefert werden.

80 Prozent der impfwilligen Erwachsenen würden bis Mitte Juli mindestens einmal geimpft sein, versprach Spahn. In der ARD-Talkshow »Anne Will« vor einer Woche hatte Spahn noch von »an die 90 Prozent« bis Mitte Juli gesprochen.

Biontech-Impfstoff auch für Kinder freigegeben

Inzwischen können auch Kinder ab zwölf Jahren einen Impftermin beim Arzt erhalten. Europas Arzneimittelbehörde Ema hatte Ende Mai grünes Licht für die Zulassung des Präparats von Biontech für dieses Alter gegeben, zuvor war es ab 16 frei.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung zur Impfung von Kindern angekündigt. Es wird erwartet, dass sie mangels ausreichender Datenbasis keine generelle Empfehlung gibt, sondern den Impfstoff zunächst vor allem etwa für vorerkrankte Kinder vorsieht.

slü/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.