Coronavirus Spahn plant Massentests in Pflegeheimen

Deutsche Altenheime waren dem Coronavirus lange bedenklich schutzlos ausgeliefert. Nach SPIEGEL-Informationen will Gesundheitsminister Spahn den Einrichtungen nun flächendeckend Schnelltests finanzieren.
Pflegeheim in Köln (Archivbild)

Pflegeheim in Köln (Archivbild)

Foto: Oliver Berg/ dpa

Alten- und Pflegeheime sollen ab dem 15. Oktober großzügig Corona-Tests durchführen, um Personal, Besucher und Bewohner besser vor dem Virus zu schützen. Das geht aus einem Referentenentwurf für eine Nationale Teststrategie hervor, mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Einsatz von Corona-Tests in Deutschland regeln will.

Der 23-seitige Entwurf, der dem SPIEGEL vorliegt, sieht ähnlich großzügige Regelungen für Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Arzt- und Zahnarztpraxen, Dialyseeinrichtungen, Praxen humanmedizinischer Heilberufe sowie ambulante Pflegedienste vor.

Wird in solchen Einrichtungen eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt, hat demnach jeder, der in den vorigen zehn Tagen dort anwesend war, Anspruch auf einen Test. Ziel sei es, besonders gefährdete Personen besser zu schützen, heißt es in dem Entwurf.

Pflegeheime sollen nach dem Willen des Gesundheitsministeriums zum Beispiel ein monatliches Kontingent für sogenannte Antigen-Schnelltests zur Verfügung gestellt bekommen. Geplant sind bis zu 50 Tests pro Bewohner. Eine Einrichtung mit 80 Bewohnern könnte also bis zu 4000 Tests im Monat nutzen, um Besucher, Personal und Bewohner wiederholt zu testen.

Alten- und Pflegeheime in Deutschland waren dem Coronavirus lange relativ schutzlos ausgeliefert. In einzelnen Einrichtungen hatten sich immer wieder massenhaft ältere Menschen infiziert. Prophylaktische Tests wurden bisher dennoch nur lückenhaft durchgeführt. Dabei haben gerade alte Menschen ein besonders hohes Risiko, an den Folgen des Coronavirus zu sterben.

"Besonders für Höchstbetagte und Kranke ist Covid-19 eine große Gefahr", sagte Spahn dem SPIEGEL. "Deswegen verbessern wir die Schutzkonzepte." Regelmäßige Tests reduzierten die Ansteckungsgefahr erheblich. Sie sollen zum Beispiel verhindern, dass das Virus von außen in Einrichtungen getragen wird.

Bezahlt werden sollen die Schnelltests über den Gesundheitsfonds, aus dem Krankenkassen ihre Mittel erhalten. Das Ministerium veranschlagt dafür einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, abhängig von der Entwicklung des Testgeschehens.

Antigen-Schnelltests basieren auf dem Nachweis von Sars-CoV-2-Eiweißen. Dazu muss ein Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen werden. Die Auswertung ist einfacher als bei den bislang vor allem üblichen PCR-Tests. Nach Spahns Angaben lieferten die Antigen-Tests "inzwischen relativ verlässliche Ergebnisse" und seien daher "eine gute Ergänzung unserer Corona-Strategie für Herbst und Winter".

Der Referentenentwurf des Gesundheitsministers muss noch in die Ressortabstimmung. Entsprechende Stellungnahmen sollen in die Verordnung eingearbeitet werden.

Anmerkung: In einer früheren Fassung war von einem Gesetzentwurf die Rede. Tatsächlich handelt es sich um den Entwurf für eine Verordnung. Wir haben den Text entsprechend angepasst.

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