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Curd Jürgens

aus DER SPIEGEL 17/1963

Curd Jürgens, 47, bewirtete Kollegin Maria Schell, 37, die eigens nach Paris gereist war, um ihren Filmpartner aus »Die Ratten« und »Schinderhannes« in seiner Erfolgsrolle in dem Sigmund-Freud-Drama »Der rote Faden« auf der Bühne des Theaters »Gymnase« zu sehen, nach Schluß der Vorstellung mit Whisky. Jürgens hatte sich für die Bühnenrolle nach einigen Film-Mißerfolgen entschlossen: »Ich sehnte mich vielleicht unbewußt nach einer Krise. Es war wohl die gewisse primitive Saturiertheit dessen, der viel Geld hat und wieder trocken Brot zwischen den Zähnen spüren möchte. Alle rieten mir von der Bühnenarbeit ab. Die Psychoanalyse sei in Frankreich lange nicht so gefragt wie in den Staaten.« Die Skepsis des müden Filmhelden war unbegründet. Schwärmte der »France-soir« nach der Premiere: »Um Mitternacht gab es im Theater Gymnase bestimmt an die 500 Frauen, die davon träumten, sich psychoanalytisch untersuchen zu lassen - von einem Dr. Freud, der aussieht wie Curd Jürgens.« Und der »Figaro": »Welch ein Künstler.« Inzwischen hat Bühnen-Freud Jürgens seine Filmkrise offenbar überwunden: »Im Grunde bin ich und bleibe ich vor allem ein Mann des Films. Das Theater ermattet mich. Jeden Abend zur selben Stunde in die Haut derselben Persönlichkeit zu schlüpfen, ist eine allzu schwere Knechtschaft - vor allem, wenn es sich um Sigmund Freud handelt.«

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