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Briefe

Da faßt man sich an den Kopf
aus DER SPIEGEL 8/1997

Da faßt man sich an den Kopf

(Nr. 6/1997, Titel: Die Rentenreform oder Wie die Alten die Jungen ausplündern; Nr. 7/1997, Hausmitteilung)

Obwohl wir »Alten« nach Krieg, nach Verlust allen Besitzes auf noch nicht ergonomisch-arbeitsmedizinisch untersuchten und optimierten Arbeitsplätzen für 49 Pfennig die Stunde sechs Tage in der Woche arbeiteten, konnten und können wir uns nicht den kleinsten Kurzurlaub leisten. Das war anders als jetzt bei den bis auf eine schmale Gesäßpartie unter südlicher Sonne gebräunten, teilweise gramgebückten »Jungen« Ihres Titelbildes, die wir, die lustigen »Alten«, mit unserer an der Sozialhilfegrenze schwebenden Rente und unserem langen Leben angeblich »ausplündern«.

Burscheid (Nrdrh.-Westf.) Christel Bliss

Sie müssen wohl eine eigenartige Auffassung über die Intepretation des Begriffs »Ironie« haben, um damit Ihre Negativleistung erklären zu wollen. Ich kann beim besten Willen in Ihrer Titelzeile keinen ironischen Beiklang entdecken. Wenn schon Provokation, dann doch mit »?«.

Hannover Ernst- August Frantz

Damit rufen Sie ganz offen zum Generationenkampf auf. Die »Alten« haben doch seinerzeit die Rentenansprüche sich nicht selbst genehmigt, sondern sie sind vom Parlament so beschlossen worden. Haben Sie sich auch die Mühe gemacht, im Lexikon nachzusehen, was (aus)plündern besagt? Da heißt es unter anderem: »...die rechtswidrige Wegnahme privater oder öffentlicher Sachen unter Ausnutzung einer durch kriegerische Handlungen, Landfriedensbruch oder Katastrophenfälle hervorgerufenen Störung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Friedens«. Rechtswidrig? Da faßt man sich doch an den Kopf.

Pinneberg (Schlesw.-Holst.) Klaus Kröger

Wenn einige junge Herren wie Westerwelle oder Funktionäre der Jungen Union naßforsch solche Töne anschlagen, so ist ihnen folgendes ins Gedächtnis zu rufen: Wir damals Jungen durften unter »Adolf« erst einmal Wehrsteuern für die Aufrüstung zahlen. Dann durften wir in den Krieg und mit Blut und Leben zahlen. Schließlich zahlten wir weiter mit Hunger in Gefangenschaft und Nachkriegszeit, Millionen mit der Vertreibung aus der Heimat. Anschließend durften wir das kaputte Deutschland wieder aufbauen und den Aufbau auch selbst finanzieren. Es folgten die Besatzungskosten, die Kriegsfolgelasten, die Entschädigungen. Wer war der Zahlemann? Als Rentner dürfen wir aus unserer Rentenkasse auch die Fremdleistungen zahlen. Damit tragen wir ein gerüttelt Maß der Kosten der Wiedervereinigung. Einen weiteren Teil zahlen wir über indirekte Steuern. Und da will man uns des Ausplünderns der Jungen bezichtigen?

Leer (Nieders.) Kurt Goldmann

Meine Generation der heute 60- bis 90jährigen hat wider besseres Wissen aus verantwortungslosem Egoismus, Leichtsinn, Dummheit und Gleichgültigkeit die Zukunft ihrer Kinder in einem Umfange erschwert, wie das vor uns noch niemand getan hat. Trotz Hochkonjunktur Berge von Schulden gemacht, Ausbildung zermatscht, mehr Ampeln als Kreisel gebaut, Rechte betoniert, aber Pflichten verneint, Verantwortung abgelehnt, soziales Miteinander ruiniert. Das waren nicht nur Schmidt, Blüm und Kohl. Das waren wir. Jetzt schulden wir der Jugend eine Revolution des Umdenkens.

Bredenbeck (Nrdrh.-Westf.) Peter E. Müller

Seit vielen Monaten palavern die Politiker über den drohenden Zusammenbruch des Rentensystems. Die eigenen fürstlichen Ruhestandsbezüge und die fetten, nach den letzten Dienstbezügen errechneten Pensionen der Beamten sind für sie tabu. Da geht schon einmal ein Aufschrei durch die Presse, wenn, wie kürzlich wieder einmal geschehen, eine Ex-Staatssekretärin im zarten Alter von 35 Lenzen bereits mit einer Pension von 9000 Mark monatlich bedacht wird. Aber dabei bleibt es auch.

Los Gigantes (Teneriffa) Horst Zander

Die demographische Komponente wird doch nicht deshalb notwendig, weil die Leute ein bis zwei Jahre länger leben, sondern weil sie sechs bis acht Jahre früher in den Ruhestand gehen und die nur wenig gekürzte Rente einige Jahre länger beziehen. Eine Rente, die fünf Jahre vorzeitig beginnt, müßte um mehr als 40 Prozent gekürzt werden statt der vorgesehenen 18 Prozent, die jemand erfunden haben muß, der nicht rechnen kann.

Holzminden F. Wilhelm

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