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Briefe

Da gibt es doch nichts zu schwafeln
aus DER SPIEGEL 5/1999

Da gibt es doch nichts zu schwafeln

Nr. 3/1999, Gesundheitspolitik: SPIEGEL-Gespräch mit Ärztefunktionär Ellis Huber über den Wandel des Medizinbetriebs

Kollege Huber hätte - nach dem Ausscheiden aus seiner immerwährenden Bürokratenposition - nunmehr die einmalige Gelegenheit, ausgestattet mit der von ihm geschätzten katholischen Sozialethik und der Welten darunter angesiedelten real existierenden ärztlichen Gebührenordnung, Patienten höchstselbst zuwendungsintensiv und fern von des Teufels Apparatemedizin in Klinik oder eigener Praxis eigenverantwortlich zu behandeln. Vielleicht würde ihm dann der horrende Unterschied zwischen der Rechnung eines Klempners und der ärztlichen Rechnung klarwerden und ihn wie uns der Gedanke trösten: »Hauptsache, du kannst helfen.«

HAMBURG DR. CHRISTIAN RAABE

Da gibt es doch nichts zu schwafeln. Ein jeder, der über Reformen im Gesundheitswesen nachdenkt, sollte sich auch im klaren sein, daß man eine Durchfallerkrankung nicht dadurch behandeln kann, indem man die Toiletten schließt. Ebensowenig kann man die Zahl der Alkoholiker verringern, indem man von zehn Kneipen fünf zumacht. Der Mensch wird in jedem Alter krank, und er hat ein Anrecht auf Heilung und Hilfe, aber das kostet nun mal was, und der, der die Heilung durchführt, sollte doch dafür auch eine Mark haben, denn diese Arbeit ist eine äußerst qualifizierte, zumal sie für den, der sie durchführt, mit jeder Art von persönlichem und wirtschaftlichem Risiko verbunden ist. Was nützt es dem Gesundheitswesen, wenn die Ärzte auf ein niederes soziales Niveau gedrückt werden? Wird der Mensch dann weniger krank, begnügt der Normalbürger sich dann mit weniger Kassenleistungen, ist er dann eher bereit, sein Kranksein selbst zu finanzieren? Glaubt denn irgendeiner ernsthaft, daß der ärmere Arzt ein Gewinn für die Versorgung der Bevölkerung ist?

WEILHEIM (BAYERN) THOMAS HIRSCHFELD

Von einem Rechtsruck des Marburger Bundes kann keine Rede ein. Er hat die gleichen Bündnispartner wie vor vier Jahren, als der Unterzeichner als Kandidat der konservativen Listenverbindung gegen den Kandidaten der Liste Ellis Huber zum Vizepräsidenten gewählt wurde. Der Wahlkampf des MB wurde mit dem Ziel der Ablösung von Ellis Huber geführt und mit 50 Prozent Stimmenzuwachs honoriert. Die jetzige Koalition, zu der die Liste der Hausärzte dazugekommen ist, spricht mehr für die Reformbereitschaft dieser Listen als für einen Rückfall in vergangene Zeiten. Von der Politik des neuen Vorstandes sollte man sich getrost - positiv - überraschen lassen.

BERLIN DR. GÜNTHER JONITZ

PRÄSIDENT DER ÄRZTEKAMMER BERLIN

Lieber Ellis, mit Deinem Interview im SPIEGEL rundest Du die Serie der Schwanengesänge auf Deine gesundheitspolitische Vergangenheit ab. Eigentlich schade: Du hast jahrelang viel angestoßen, einiges bewegt, fast nichts vollendet. Jetzt versinkst Du in larmoyanten Abschiedselegien. Du warst doch einmal ein mutiger Mann, der sich brüstete, es mit allen aufzunehmen. Du hast keinen Streit ausgelassen, keine Talkshow, keine Chance der Selbstdarstellung. Wer anderen eine Grube gräbt, riskiert selber hineinzufallen. Deine Abwahl ist ein normaler demokratischer Prozeß, der mit einer Hinwendung des Marburger Bundes zu restaurativen bis reaktionären Kräften, zu Facharztlobbyisten und privilegierten Chefärzten nichts zu tun hat.

HAMBURG DR. FRANK ULRICH MONTGOMERY

PRÄSIDENT DER ÄRZTEKAMMER HAMBURG UND VORSITZENDER DES MARBURGER BUNDES

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