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Daniel Cohn-Bendit

aus DER SPIEGEL 12/2001

Daniel Cohn-Bendit, 55, grüner Europa-Abgeordneter und einst Leitwolf der Pariser Revolte von 1968, vergrätzte mit Heldenverehrung in eigener Sache seine französischen Parteifreunde und erregte den Spott des Satireblatts »Le Canard enchaîné«. Der einstige »Dany le rouge« war im Februar in die Schlagzeilen geraten, als ein Pariser Magazin Passagen aus seinem 1975 veröffentlichten Buch »Le grand Bazard« ausgrub. Darin hatte der zeitweilige Erzieher in einem alternativen Frankfurter Kindergarten ziemlich detailliert Sex-Spiele mit Kindern beschrieben. Die spontane Solidarität mit dem Mai-Veteranen, den Rot-Grüne gegen Anwürfe der Rechten abschirmten, ermutigte Cohn-Bendit zur Selbstverherrlichung. Der Feind, so deklamierte er in einer Versammlung der Grünen, werde niemals die »Ikone des Mai '68« zerstören können. Ein Grünen-Sprecher verbat sich diese »klerikale Aufgeblasenheit«, und »Le Canard enchaîné« höhnte letzten Mittwoch: Wenn ein Politiker anfange, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen, sei das »gar kein gutes Zeichen«.

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