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Dank vom Papst

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aus DER SPIEGEL 4/1984

Bei ihren Ermittlungen in der Parteispendenaffäre sind die Staatsanwälte auch auf enge Verflechtungen zwischen der katholischen Kirche, der Firma Flick und der bayrischen CSU gestoßen. Zu den gemeinnützigen Organisationen, die den Parteien illegal Geld über Auslandskonten zukommen ließen, gehört nach Erkenntnissen der Fahnder auch das katholische Kolpingwerk.

Gegen den Generalpräses Heinrich Festing und Geschäftsführer Hans Schottenhammer hat die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet. Die beiden sollen in den Jahren 1973 bis 1982 von Firmenspenden, die offiziell dem Kolpingwerk zugedacht waren, rund eine Million Mark auf Umwegen über Schweizer Konten in die Kasse der oberbayrischen CSU geleitet haben.

Schottenhammers Anwalt Michael Streck beteuert, die jeweils in bar abgeholten Gelder seien »für Aktionen in der Dritten Welt verwendet« worden. Der Bonner Oberstaatsanwalt Johannes Wilhelm dagegen vermutet, daß es sich bei dem Verein »um eine sogenannte Geldwaschanstalt handelt«.

Der Vorsitzende der CSU Oberbayern, Finanzminister Max Streibl, und der Geschäftsführer

des einflußreichen CSU-Bezirks, Hermann Zenz, sollen wahrscheinlich von der Staatsanwaltschaft als Zeugen vernommen werden. Der Landtagsabgeordnete Zenz gehört seit fast 40 Jahren zur Kolpingfamilie. Staatsminister Streibl trägt das Internationale Ehrenzeichen, die höchste Auszeichnung des katholischen Gesellenvereins - als Anerkennung für seine »Politik aus christlicher Verantwortung und Überzeugung«.

Auch die Firma Flick hat, wie Aufzeichnungen des Firmenbuchhalters Rudolf Diehl ausweisen, in den sechziger und siebziger Jahren kirchlichen Organisationen reichlich Spendengeld zukommen lassen. Firmengründer Friedrich Flick wurde 1965 für »diese Haltung wahrhaft christlicher Caritas« von Papst Paul VI. mit einem Brief geehrt. Das Kirchenoberhaupt ließ dem Spender eine eigens von vatikanischen Kalligraphen geschriebene Dankesadresse (siehe Ausriß) übersenden.

Inzwischen ist das Verhältnis zwischen dem Konzern und der katholischen Kirche belastet. Die Firma Flick hatte der Steyler Mission in Sankt Augustin bei Bonn innerhalb von zehn Jahren 12,3 Millionen Mark zukommen lassen und dafür auch Spendenquittungen bekommen. Allerdings: Rund acht Millionen Mark flossen, meist bar im Koffer, wieder an Flick zurück. Eberhard von Brauchitsch, Flicks Ex-Gesellschafter, muß jetzt neben seinem Bestechungsverfahren auch noch mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen.

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