Zur Ausgabe
Artikel 2 / 136
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

»Dann verwischt alles«

aus DER SPIEGEL 29/1993

Wer Geld nachmacht oder verfälscht, mußte zu allen Zeiten mit harten Strafen rechnen. Münzfälscher wurden im 13. Jahrhundert zum Feuertod oder zum Sieden in kochendem Öl verurteilt. Wer Falsifikate verbreitete, riskierte immerhin noch den Verlust der rechten Hand.

Nur hochgestellte Geldfälscher gingen stets straffrei aus. Raffgierige römische Kaiser ließen Münzen prägen, die nicht den darauf deklarierten Goldanteil enthielten. Und während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zerstörten die Engländer die neue US-Währung, indem die königliche Regierung die amerikanischen Noten massenweise nachdruckte.

Die größte Geldfälschung der Geschichte lief unter Adolf Hitler, im KZ Sachsenhausen, an: Auf Befehl des Reichssicherheitshauptamtes wurden 100 Millionen englische Pfundnoten gedruckt. 1959 fischten Taucher den Schatz aus dem Töplitzsee in der Steiermark.

Je aufwendiger der Staat Banknoten herstellen ließ, desto perfekter gestalteten Kriminelle ihr Fälscherwerk. In den achtziger Jahren wurden erstmals elektronische Aufnahmegeräte, sogenannte Scanner, eingesetzt, die mit Laserstrahlen Vorlagen für Druckmaschinen produzieren. Derlei High-Tech konnten sich zunächst nur Verbrechersyndikate leisten: Eine moderne Druckereiausstattung kostete leicht eine Million Mark.

Trotz aller modernen Technik - in die Kriminalgeschichte wird wohl kein Computer eingehen, sondern der Münchner Kunstmaler und Tiefdruckätzer Günther Hopfinger. In der Justizvollzugsanstalt Ebrach malte er Ende der sechziger Jahre so viele Hunderter per Hand, daß eine eigene Knastwährung entstand.

Später kopierte Hopfinger das Bildnis »Älterer Mann« von Lucas Cranach dem Älteren und die übrigen Details des alten Tausendmarkscheins so exakt, daß Gutachter der Bundesbank vor Gericht voller Ehrfurcht von dem Können des Künstlers sprachen. Nur: Hopfingers Aquarelle waren nicht wasserfest.

Einmal, als er gerade eine Wanduhr zu 98 Mark gekauft hatte und die Verkäuferin im strömenden Regen mit einem Tausender ins Nachbargeschäft zum Wechseln laufen wollte, versuchte er sie aufzuhalten: »Dann ist ja alles verwischt.«

Hopfingers Originale sind heute unter Sammlern dreimal soviel wert wie die Originale von der Deutschen Bundesbank: pro Stück 3000 Mark.

Zur Ausgabe
Artikel 2 / 136
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.