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Das Ei und Claudette

aus DER SPIEGEL 27/1947

Die Freiheitsstatue im New Yorker Hafen ist 46 Meter hoch, der Hollywood-Star Claudette Colbert ist 1,63 groß, und sicherlich besteht zwischen beiden ein erheblicher Unterschied auch in der Taillenweite. Trotzdem hat man eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen der kolossalen steinernen Dame und der Filmschauspielerin festgestellt: Sie seien beide, hat man gesagt, ein Geschenk Frankreichs an die USA.

Claudette Colbert ist gebürtige Pariserin. Aber sie kam schon mit drei Jahren nach Amerika. Immerhin gibt es Leute, die behaupten, das Pariserische in ihrer Art habe sich nicht verloren. Sie erinnern an die Szene in »Es geschah in einer Nacht«, in der Claudette an der Landstraße stand, die vorbeifahrenden Autos anzuhalten trachtete und dies in immer verführerischerer Weise tat.

Sie erinnern an andere Rollen Claudette Colberts, in denen sie gleichfalls französisch charmant war, selbst als sie sich in »Echo der Jugend« als gealterte Lehrerin ihr Gesicht in Runzeln und Falten legen ließ. Und sie zweifeln keinen Augenblick, daß die braunäugige, braunhaarige Claudette in ihrer neuen Rolle nicht anders sein wird.

Diese neue Rolle ist eine Rolle mit Schürze. Claudette Colbert ist dabei, in Hollywood die Hauptrolle in dem Film »The Egg and I« ("Das Ei und ich") zu spielen.

Dieser Film geht zurück auf das gleichnamige Buch, das bei seinem Erscheinen ein best-seller war und es länger als ein Jahr blieb. Es brachte es auf eine Auflage von mehr als einer Million. Seine Verfasserin ist Betty MacDonald. Sie erzählt in dem Buch die Erlebnisse, die sie als junge Frau zusammen mit Bob, ihrem Mann, auf einer Hühnerfarm in einer der ungezähmtesten Ecken von USA hatte.

Es geht nicht um großartige psychologische Probleme, aber um ein Stück amerikanisches Alltagsleben. Und es ist mit bezauberndem Freimut und mit blinzelndem Humor beschrieben. Es ist unvergleichlich, was Betty MacDonald beispielsweise über die Mentalität von Hühnern und Küken zu sagen hat.

Claudette Colbert spielt die Hühnerfarmerin. Sie hat sich mit Unzulänglichkeiten und Widrigkeiten eines Daseins herumzuschlagen, in dem, wie Betty Mac-Donald sagt, der Mensch niemals sein eigener Herr ist - »die Hühner behalten immer die Oberhand«.

Fachsimpelei am Filmherd: Claudette Colbert, die MacDonalds und das Ei (im Topf)

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