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Das Grab des Erlösers Kwame Nkrumah

aus DER SPIEGEL 30/1972

Totentrommeln dröhnten, Klageweiber kreischten, und die Lehm- und Bambushütten des 1000-Einwohner-Dorfes im westafrikanischen Busch waren mit roten und schwarzen Trauerfahnen dekoriert. Nkroful, im Stammesgebiet der Nzima in Ghana, feierte Sonntag, vor einer Woche die Heimkehr seines größten Sohnes -- Kwame Nkrumah

Soldaten der Armee von Ghana brachten den Leichnam des Ex-Präsidenten zur letzten Ruhe -- nach zehn Wochen diplomatischer Rangelei mit Guineas Sekou Touré, der den ghanaischen Freund lieber in seinem Staat beisetzen wollte. 1966 hatten Ghana-Soldaten den Matador im Kampf um die Unabhängigkeit der einstigen Goldküste, den »Osagyefo« (Erlöser). gestürzt und ins Exil nach Guinea vertrieben. Jetzt weinten sie wie Nkrumahs ägyptische Witwe Fathia, Sohn Francis, der als Arzt in Accra arbeitet. und die Leute von Nkroful.

»Er war das Salz, das Ghana und Afrika würzte«, pries Nkrumahs er blindete, zirka hundert Jahre alte Mutter ihren Sohn. Ein Sprecher der Militärregierung würdigte den Freiheitshelden und späteren Diktator. weil er »Afrika in der internationalen Gemeinschaft auf ein hohes Podest erhob«.

Ein katholischer Bischof sprach das letzte Gebet für Nkrumah, der wie viele Afrikaner als Christ geboren wurde, die afrikanischen Traditionen aber nie vergaß. Dann legten Stammesälteste 25 Pesewas (rund siebzig Pfennig) in den Sarg -- für die Kanureise ins Jenseits.

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